Guck mal Mami

Das kennen wir alle, wenn kleine Kinder nach Mami und Papi rufen, um ihnen zu zeigen, was sie Tolles können oder grade neu entdeckt haben.  Von Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld

Wenn Mami dann guckt und dem Kind seine Aufmerksamkeit schenkt, vielleicht sogar liebevoll ein paar anerkennende Worte spricht, fühlt sich das Kind gesehen und gehört, angenommen, geliebt und genährt. Und jedes Kind braucht diese Liebe, um sich wohl zu fühlen, sich geborgen und sicher zu fühlen. Es braucht die Energie dieser Liebe, um sich entwickeln und entfalten zu können. Wenn aber Eltern keine Zeit, keine Lust oder keine Fähigkeit haben, sich ihrem Kind liebevoll zu widmen und zuzuwenden, bedeutet dies für das Kind eine tief gehende psychische Verletzung. Und mehr oder weniger haben wir alle diese Verletzungen erlebt und tragen diese unerfüllten Bedürfnisse nach Gesehen- und Gehörtwerden noch immer in uns. Unsere mitunter verzweifelten Versuche, von unseren Partnern und Kindern, von Kollegen und Chefs, von Nachbarn oder der Bedienung im Café wahrgenommen, ernstgenommen, gesehen und gehört zu werden, sollen diese tiefe Leere füllen und diese tiefe Wunde heilen. Auch unsere Präsenz in Social Media, unserere Postings über unser Essen, unser Aussehen und andere Alltäglichkeiten sollen im Grunde nichts Anderes erreichen, als das nachträgliche Stillen dieses unerfüllten Liebesbedürfnisses. Und das kann sogar klappen ...! Psychologische Forschung hat ergeben, dass jedes "like" bei Facebook eine positiv, nährende Wirkung hat, ähnlich wie eine Berührung oder ein freundliches Wort.  Und dennoch ist alle Zuwendung und Wertschätzung von außen nicht in der Lage, diesen tiefen Mangel in uns zu beseitigen. Für eine echte und nachhaltige Heilung ist nur unsere eigene Sicht auf uns selber entscheidend. Wenn wir selber lernen, uns selber zu lieben, uns zu sehen, zu hören und zu spüren, wenn unsere inneren Eltern sich unseren inneren Kindern liebevoll widmen, dann erfüllt sich, was leer war, und dann heilt, was verletzt war. All die wunderbare Zuwendung von außen können wir dann sozusagen als Zugabe genießen, wie die Sahne auf dem Kuchen.


Ego – Oder: Jackpot

Ich hab’s einfach mal versucht. Da kam mir auf dem Weg in die Stadt dieses Schild entgegen – Jackpot: 21 Millionen. Schon stand ich im Laden, von einer intuitiven Macht geleitet, vom Ego wohl auch, von Gier womöglich, schloss die Augen, fühlte nach innen und machte meine Kreuzchen.  Von tg

Die Chancen standen schlecht. Links eine 1, dahinter ein Doppelpunkt, dahinter eine lange Zahl. Die 1 stand für den Jackpot, die lange Zahl für Niete. Nun denn, es ist ja nur ein Spiel. Im Laufe des Tages begann ich zu fantasieren. Was würde ich mit 21 Millionen Euro anstellen? Vor allem die Aussicht, nie mehr arbeiten zu müssen, gefiel mir. Mit einem Freund sprach ich über das Thema. Rücksichtslos erinnerte er mich an eine Diskussion, die wir kürzlich geführt hatten, und bei der ich die sich vergrößernde Kluft zwischen Arm und Reich, den wachsenden Egoismus schlechthin kritisiert hatte. "Du wirst also einer von den Reichen, wenn es klappt", gab er zu bedenken, "einer von denen, die die Kluft vergrößern". So hatte ich es noch nicht betrachtet und kam ins Grübeln, horchte nach innen, beobachtete Gedanken und Gefühle, die 21 Millionen vor Augen. Entdeckte entsetzt einen Kleingeist – nennen Sie ihn von mir aus Ego –, der einfach alles behalten wollte, der das Haus mit einer Alarmanlage versah, um Neider und Diebe abzuhalten. Zu meiner Ehrenrettung gab es auch Stimmen, die bereit waren, zu teilen, Sinnvolles zu stiften – eine ethische, innere Instanz, die sich, wenn auch noch recht schwach, wehrte. Es war also gut zu beobachten, wie schnell egoistische Reflexe anspringen. Und dass es einer bewussten Auseinandersetzung bedarf, diesen Reflexen nicht blind zu folgen. Geld verdirbt nicht unbedingt den Charakter, tröstete ich mich. Aber es stellt ihn schon auf die Probe. Mit gemischten Gefühlen verfolgte ich die Ziehung der Lottozahlen. Ich hatte "einen Richtigen". Dafür gab’s nicht mal 21 Cent. Meine Enttäuschung hielt sich in Grenzen. Mein Ego schwieg beleidigt. Arbeite ich eben weiter, versuche ich halt weiter, über die Runden zu kommen. Damit bin ich vertraut. Lotto werde ich nie wieder spielen. Vorerst. Gut, irgendwann probier ich es noch einmal. Nur um mein Ego erneut auf die Probe zu stellen. Und wer weiß – vielleicht klappt es dann mit dem Jackpot!


Glücklich traurig sein

Um unser Leben in Balance zu leben, brauchen wir Zeiten des Trauerns.  Von Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld

Zeiten, in denen wir nichts tun, außer unseren Schmerz und unsere Trauer zu fühlen und unseren Tränen freien Lauf zu lassen. In Liebe zu trauern,
lässt uns friedlich und ruhig werden, es lässt unsere Wurzeln wachsen und schenkt uns Lebendigkeit und Stabilität. Und wir alle haben Grund zum Trauern, denn jeder von uns ist allein. Wir können versuchen, uns darüber hinwegzutrösten, können es uns hübsch einrichten in unserem Leben. Wir können heiraten und Kinder kriegen, Karriere machen und einen Haufen Geld verdienen, wir können Häuser bauen und Bäume pflanzen, aber all diese Dinge sind nicht geeignet, uns nachhaltig zu trösten. Wenn wir erlauben können, loszulassen und dem Schmerz des Alleinseins zu begegnen, die Trauer zu fühlen und die Tränen zu weinen, geschieht tiefste Entspannung, Erfüllung und Geborgenheit. Spaß und Freude führt uns nach oben, hinaus in die Welt. Trauer und Schmerz führen nach innen und zum Zentrum unseres Seins. Wir Menschen und unsere Seelen haben das Streben, beides zu erleben, die Höhen und die Tiefen. Wenn wir nun versuchen, eine Hälfte auszuschließen, wenn wir versuchen,
immer stark und fröhlich zu sein, verlieren wir den Boden unter den Füßen und werden instabil und unglücklich. Wenn wir aber die Bedeutung des Trauerns verstehen können und uns, vielleicht sogar freiwillig und ohne äußeren Anlass, Zeiten des Trauerns und des Nach-Innen-Fallens lassen können, bleiben wir stabil und in Balance und machen uns selber glücklich.


Munroe, Randall: what if? Was wäre wenn?

Wissen

Von tg

 

"Man sagt, es gäbe keine dummen Fragen. Das ist ganz offensichtlich falsch […] Aber wie sich herausstellt, kann es uns zu wirklich Aufregendem führen, wenn wir versuchen, eine dumme Frage gründlich und vollständig zu beantworten."

 

Randall Munroe, studierter Physiker und ehemaliger Mitarbeiter der NASA im Bereich Robotertechnik, beantwortet auf xkcd.com, einem „Webcomic über Liebe, Sarkasmus, Mathematik und Sprache“, absurde hypothetische, "seltsame (und manchmal beunruhigende) Fragen aus dem Netz" ...

Dieses Buch ist eine erweiterte "Fan-Edition in limitierter Ausgabe", in der der Autor – in gedruckter Form – "wirklich wissenschaftliche Antworten" gibt. Auf "Probleme" (seiner Leserinnen und Leser) wie: Was wäre, wenn jeder tatsächlich nur einen einzigen Seelenverwandten hätte – eine zufällig ausgewählte Person irgendwo auf der Welt? Was wäre, wenn ein Glas Wasser auf einmal halb leer wäre? Was geschieht mit der Erde, wenn die Sonne plötzlich erlischt? Wenn man eine zufällige Nummer wählt und ’Gesundheit!’ sagt, wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass der Angerufene tatsächlich gerade geniest hat?

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Sache mit dem einzigen Seelenverwandten wäre ein Albtraum. Bei dem halbleeren Glas geht der Physiker in Deckung. Wenn die Sonne nicht mehr scheinen würde, hätten wir einen besseren Satellitenempfang. Einem Nieser zufällig am Telefon Gesundheit zu wünschen ist wahrscheinlicher, als jemanden zu erwischen, der gerade einen Aufsatz zum Thema Niesen veröffentlicht hat.

Neugierig geworden? Wer seinen Wissensdurst auf humorvolle, gut verständliche und etwas schräge Weise stillen möchte, liegt mit "what if? Was wäre wenn?" genau richtig: kurze Kapitel, Strichmännchen, Fakten und Fantasie. Was wäre, wenn Lerninhalte immer so unterhaltsam vermittelt würden?

„what if? Was wäre wenn?“ von Randall Munroe, Knaus Verlag, 384 Seiten.

Innehalten und Entwicklung – Oder: Stillstand und Rückschritt

Gut, ich hatte in Ruhe gefrühstückt und mir vorgenommen, alles Weitere, komme, was wolle, in Ruhe zu erledigen. Mich nicht abzuhetzen. Mich nicht hetzen zu lassen. Dann hing ein urbaner Großwildjäger mit seiner PS-starken Geländelimousine an der Stoßstange meines Kleinwagens, obwohl ich mich innerorts bereits zu 60 Stundenkilometern nötigen ließ.  Von tg

Das Einparken wurde zur schweißtreibenden Nervenprobe: enge Straße, eigentlich Tempo 30, hinter mir und von vorne kommend Autofahrer, die weder Zeit noch Geduld noch Empathie mitbrachten und auf ihre Vorfahrt pochten. Um es kurz zu machen: Nachdem ich mehrfaches Hupen, haarscharfe Überholmanöver und das Widerwillen und Unverständnis ausdrückende Kopfschütteln eines Fußgängers, der zehn Sekunden warten musste, über mich hatte ergehen lassen, konnte ich den Motor ausstellen und tief durchatmen. In der Stadt ein ähnliches Bild. Alle, (fast) alle hetzten durch die Läden, die Ellenbogen ausgefahren. Die wartende Schlange an der Kasse stand unter Strom. Mittlerweile war meine Gelassenheit dahin.

 

Die technische Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Wirtschaftlicher Erfolg wird an jährlichen Steigerungsraten gemessen, an Geld und Zahlen. Höher, schneller, weiter – häufig ohne Rücksicht auf Verluste. Wo es (wenige) Sieger gibt, gibt es (viele) Verlierer. Wer im Job überleben will, muss sich ranhalten. Nun soll das nicht prinzipiell verurteilt werden, ein differenzierter Blick würde Vor- und Nachteile erkennen. Aber, wenn wir das Leistungsprinzip und die Maßstäbe der Wirtschaft eins zu eins auf unser Privatleben übertragen, hetzen wir nach Feierabend vom Einkauf zum Fitness-Studio, zum Workshop, zur Party ... Wann wollen wir uns dabei wirklich fühlen? Wo bleibt Zeit für rücksichtsvolle zwischenmenschliche Begegnungen? Was wird mit denen, die das Tempo nicht (mehr) mithalten können oder wollen?

 

Innere Tiefe braucht (Selbst-)Reflexion, Bewusstsein, Respekt, Verständnis, Liebe. Und Geduld. Mit sich und anderen. Dazu ist es nötig, auch einmal innezuhalten. Sonst ist Erkenntnis und innere Entwicklung kaum möglich. Innere Entwicklung wirkt sich auch auf unser Handeln aus. Und so ist (innere) Entwicklung, die auf Tiefe und Innehalten basiert, paradoxerweise der Motor für Fortschritt im außen.

 

Allein ein Dankeschön, ein anerkennendes Wort zu einer gestressten Verkäuferin, kann zu einem kurzen persönlichen Gespräch führen, zu einem "Zeitloch", in dem ein "miteinander in Resonz gehen" ermöglicht wird. Ein Moment, in dem wir ein wenig mehr über uns und den anderen erfahren. Der uns ein Lächeln auf die Lippen zaubert – mit dem wir dann (im Rückspiegel) dem Hintermann signalisieren, dass wir seine Eile verstehen, uns aber trotzdem nicht hetzen lassen.


Minimalismus – weniger haben, mehr leben?

In vielen Bereichen der Gesellschaft findet aktuell ein Umdenken statt: Anstatt beim Produktkauf nur auf den Preis zu achten, spielen Aspekte wie Nachhaltigkeit für immer mehr Menschen eine wichtige Rolle.  Von sk

Aber nicht nur die Frage nach dem "Wie" in puncto Konsum wird bedacht, auch das "Wie viel" tritt langsam in den Vordergrund: Der Trend geht Richtung Minimalismus, "weniger ist mehr" lautet dabei die Devise. Dieser Ansatz bringt viel Positives mit sich – und ist dabei nicht unbedingt gleichbedeutend mit Verzicht.

Mehr vom wichtigsten Gut

 

Der durchschnittliche Europäer ist Materialist: Im Schnitt besitzt jeder Einwohner unseres Kontinents etwa 10.000 Dinge, von der Büroklammer über Zeitschriften, Küchenutensilien und Möbel bis hin zu Haus und Hof. Eine BWL-Studentin machte die Probe aufs Exempel und hörte entnervt auf, als sie bei etwa 2.200 angekommen war.

 

Ihre Erkenntnis daraus: Würde es nicht glücklicher machen, weniger zu besitzen, sodass Neuanschaffungen zu etwas Besonderem würden, und dadurch wieder an Wert gewännen? Dieser Gedanke ist gar nicht so utopisch oder esoterisch aufgeladen wie er klingt, sondern hat einen handfesten Hintergrund: Denn Konsum kann zwar durchaus Freude bereiten, das aber allerdings nur bis hin zu einem bestimmten Punkt: Denn wer viel besitzen will, braucht dafür auch viel Geld, wer viel Geld will, muss viel arbeiten – und hat dementsprechend weniger Zeit. Und wenn nicht mehr genug Zeit da ist, um die materiellen Dinge zu genießen, bereiten diese auch keine Freude mehr. Das Wichtigste ist es also, genügend Zeit zu haben – schließlich ist sie etwas, das man nicht mit Geld kaufen oder zurückbekommen kann.

 

Minimalismus ist nicht gleich Verzicht

 

All das klingt zwar gut, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich. Denn wer wirklich minimalistisch leben will, verzichtet auch ganz bewusst auf viele materielle Dinge, die viele Menschen nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit begreifen. Und oft ist es in der Praxis so gut wie unmöglich, auf all diese Dinge zu verzichten, sofern man am normalen (Arbeits)Leben teilhaben will. Trotzdem ist das kein K.O.-Kriterium für die minimalistische Lebensweise, denn vieles muss man heute nicht mehr besitzen, um es nutzen zu können. Das Zauberwort heißt "Sharing Economy". Vom Auto bis zum Rasenmäher kann man sich heutzutage alles Mögliche von anderen Menschen ausleihen – mal gratis, mal gegen Entgelt.

 

Websites, die sich auf die Vermittlung solcher temporärer Tauschgeschäfte spezialisieren, gibt es mittlerweile viele. Und was für Alltagsgegenstände gilt, gilt in dieser Hinsicht auch für Besonderes. Selbst Wohnmobile kann man sich über entsprechende Portale von anderen Leuten mieten – schließlich will die gewonnene freie Zeit ja auch genutzt werden.


Über den Urschmerz

Ganz gleich was uns traurig macht oder emotionalen Schmerz in uns berührt, dies ist immer nur der Auslöser, aber nicht der Grund für unsern Schmerz und unsere Trauer.  Von Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld

Wir glauben vielleicht, dass wir traurig sind, weil der Hund gestorben ist oder wir unseren Job verloren haben, wir glauben es würde wehtun, dass unser Partner uns verlassen hat oder wir ungerecht behandelt wurden. Aber all diese Situationen und Erlebnisse sind nur die Auslöser von Schmerz und Trauer, nicht aber ihre Gründe.

 

Der eigentiche Grund ist unser Alleinsein.

 

Wir Menschen sind in unseren Körpern allein und solange unsere Seele schlummert, sind wir in unseren Körpern "mutter-seelen-allein".

 

Wenn unsere Seelen in einen Körper einziehen, wenn wir, aus irdischer Sicht, gezeugt und geboren werden, vergessen wir, wer und was wir eigentlich sind. Dieses Vergessen ist nötig,  damit wir all die Erfahrungen machen können, die wir machen wollen. Wir vergessen, dass wir ein ewiges, unbegrenztes und freies Wesen sind, untrennbar geborgen im Allganzen.

 

Wir ziehen ein in diesen Körper und erleben und betrachten nun alles aus der getrennten und angstvollen Perspektive unseres Körpers. Wir sehen, glauben und denken uns getrennt und isoliert und fühlen uns hierdurch natürlich in Trauer und Schmerz.

 

Der Körper und auch die körperlichen Aspekte der Psyche sind ängstlich und bedürftig. Sie brauchen die Präsenz und die Zuwendung
unserer Seele, damit auch sie sich versorgt und geborgen fühlen.

 

Das Erinnern und Erwachen unserer Seele lässt den Urschmerz verschwinden und unsere Urwunde heilen.


Negative Gedanken aus dem Kopf verbannen

Wer positiv denkt, lebt glücklicher – klingt einleuchtend, ist aber häufig nicht so leicht umzusetzen. Einige Gedanken und Erinnerungen wollen uns einfach nicht loslassen und können uns schlussendlich sogar krank machen. Sie loszuwerden, ist nicht immer einfach, aber zum Glück auch nicht unmöglich.  Von sk

Häufig ist uns gar nicht bewusst, wie sehr uns negative Gedanken im Griff haben: Stress auf der Arbeit, familiäre Sorgen, finanzielle Schwierigkeiten und ein Berg an Verpflichtungen, der einfach nicht kleiner wird. Nicht selten machen uns außerdem Fehlentscheidungen oder Erlebnisse in der Vergangenheit nach wie vor zu schaffen. Wir grübeln und sorgen uns und schaden damit nicht nur unserem mentalen, sondern auch unserem körperlichen Wohlbefinden. In Studien konnte bereits nachgewiesen werden, dass bis zu zwei Drittel aller Krankheiten auf seelische Probleme zurückzuführen sind.

 

Handeln

 

Wer dazu neigt, sich seinen negativen Gedanken hinzugeben, sollte unverzüglich handeln. Je nach Art der Gedanken klappt das durch unterschiedliche Herangehensweisen. Ihnen macht das Thema Finanzen Sorgen? Dann sollten Sie Ihre Ausgabe genau prüfen und schauen, wo Sie im Alltag sparen können. Das kann der Energieanbieter sein, der zu viel kostet oder eine Versicherung, die man im Grunde gar nicht (mehr) braucht. Was Kleidung angeht, muss es beispielsweise auch nicht unbedingt das teure Designerstück aus der aktuellen Kollektion sein. Bei yoox.de findet man Designerkleidung aus vergangenen Kollektionen, etwa von der Marke Dsquared2, die zeitlos schön und mindestens genauso edel ist wie ihre aktuellen Pendants. Auch beim Einkauf von Lebensmitteln kann man ohne Bedenken auf die jeweiligen Hausmarke der Supermärkte als günstigere Alternative zurückgreifen.

 

Trainieren

 

Schwieriger verhält es sich mit Gedanken, die sich völlig unserer Kontrolle entziehen – beispielsweise an Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen und dementsprechend nicht mehr zu ändern sind. Diese sollte man schlichtweg durch positive Gefühle ersetzen. Jeder Mensch verfügt über ein Zentrum für positive Gedanken und Gefühle, das man gezielt trainieren kann, so die Forschung. Es kann bereits ausreichen, wenn Sie sich morgens nach dem Aufstehen drei bis vier Minuten lang Zeit nehmen und gezielt über drei Ereignisse nachdenken, auf die Sie sich freuen. Das kann das bevorstehende Abendessen mit der besten Freundin sein, ein neuer Film, den man sich mit dem Partner zusammen ansieht oder einfach nur ein heißes Bad. Zusätzlich können Sie abends drei Dinge aufschreiben, die am Tag ungewöhnlich, schön oder besser waren, als man erwartet hatte. Bereits nach einigen Tagen werden Sie eine Verbesserung Ihres Gemütszustands feststellen können.

 

Umdenken

 

Wenn es um negative Gedanken geht, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass man selbst der Schöpfer seiner Gedanken ist und am Ende bestimmt – und nicht die Gedanken einen selbst. Zudem sollte man sich stets bewusst machen: Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere. Man darf der geschlossenen nur nicht allzu lange hinterherschauen – sonst übersieht man die andere, geöffnete, die für eine neue Chance steht, nur allzu leicht.


Datenschutz im www – Oder: Die Tageslichtlampe

Ich sitze im Dunkeln. Schuld daran ist dieser Onlineshop vom ****-Versand. Ich gebe zu, ganz schuldlos bin auch ich nicht. Der Preis war geil, da erwachte mein Geiz. Und ich log. Aus hehren Beweggründen – aber ich log.  Von tg

Zwei Wochen hat es mich Nerven gekostet. Und Telefongebühren. Und ich sitze immer noch im Dunkeln.

 

Ich bin ein Verfechter des Datenschutzes. Die Volkszählung habe ich aus Überzeugung verweigert. Damals. Eine Geschichte, die jüngeren Mitmenschen nur noch ein mitleidiges Lächeln entlockt. Deshalb erzähle ich sie nicht mehr. "Akzeptier einfach die AGB, mach dir nicht die Mühe, die auch noch zu lesen", muss ich mir anhören, wenn es um Diskussionen über den Datenschutz im World Wide Web geht.

 

Um zum Thema zu kommen: Obwohl ich das persönliche Gespräch und den guten Service beim Händler vor Ort schätze und dafür gern etwas mehr bezahle, konnte ich letztes Jahr der Versuchung nicht widerstehen, online ein Schnäppchen zu ergattern. Erstaunlicherweise gelang es mir, die einzelnen Punkte der Online-Bestellung zu bewältigen. Die von mir geforderten Daten tippte ich ohne große Bedenken ein (Vorkasse – bloß keine Bankdaten preisgeben!). Als es um mein Geburtsdatum ging, wurde ich zum Fälscher. Hatte ich doch erst kürzlich einem Artikel, wer weiß wo, die Warnung entnommen, aus Datenschutzgründen niemals das richtige Geburtsdatum einzugeben. Die Bestellung klappte, der gewünschte Gegenstand kam per Post, hatte kleine Macken, doch ich behielt ihn, zu faul, ihn wieder zurückzusenden und umzutauschen. Nun ja.

 

Vor zwei Wochen kam die Mail, der Newsletter vom ****-Versand: Null Versandkosten, dazu Aktionspunkte, und die Tageslichtlampe, auf die sich meine geschwächten Augen schon lange freuten, im Mega-Angebot. Bei der Online-Bestellung klappte alles bestens, bis mein Geburtsdatum gefordert wurde. Belustigt tippte ich 8 beliebige Zahlen ein – die Bestellung wurde mir mit roten Buchstaben verweigert: Falsches Passwort! Mir ging ein Licht auf. Mein (falsches) Geburtsdatum, das ich letztes Jahr eingegeben hatte (und natürlich nicht mehr wusste) diente als Passwort. Ich rief die kostenpflichtige (!) Kunden-Hotline an, erklärte der Dame am anderen Ende meine Schwierigkeiten, und dass ich mich beim Geburtsdatum wohl vertippt hatte. "Sagen Sie mir doch mal ihr Geburtsdatum. Ich werde den Vorgang umgehend prüfen". Gedankenschnell erfand ich eins und bekam die enttäuschende Antwort: "Das weicht ja völlig ab. Da kann ich nichts machen. Eine Kollegin von mir wird Sie anrufen". Ich wies auf die in 5 Tagen auslaufende Aktion hin, die Aktionspunkte. "Drei, vier Tage wird es schon dauern".

 

Eineinhalb Wochen später raufte ich mir die Haare. Kein Anruf der Kollegin vom ****-Versand, Aktionspunkte verfallen, ich saß weiter im Dunkeln. Meine Laune hatte sich schwer verfinstert. Weitere Ausgaben, die mir bei Benutzung der Kunden-Hotline enstehen würden, lehnte ich strikt ab. Auf der Webseite des ****-Versands fand ich ein Kontaktformular: Bitte schildern Sie Ihr Anliegen möglichst ausführlich. Ich tat es, sprach von Tippfehler, bat um Rückruf der "Kollegin". Zwei, drei Tage später erhielt ich eine E-Mail, mit der kurzen Aufforderung: "Mailen Sie uns bitte Ihr Geburtsdatum. Wir werden den Vorgang umgehend prüfen".

 

Ich bestellte den Newsletter vom ****-Versand ab, schwor mir, nie wieder dort zu bestellen. Sogar nie wieder online zu bestellen.

 

Es sei denn ein anderer Online-Versand hat mal ein Mega-Angebot. Dann notiere ich mir das Geburtsdatum, damit ich es nicht vergesse. So einfach ist Datenschutz!