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Hörbuch


Natural History Museum (Hrsg.): Wildlife Fotografien des Jahres – Portfolio 28

Wettbewerb

Von tg

 

"Was die Jury sucht, sind Kunstfertigkeit und neue Sichtweisen auf die Natur. Dabei wird größter Wert darauf gelegt, dass die Motive in freier Wildbahn leben und wahrheitsgetreu abgelichtet werden.“


Der vom Natural History Museum in London organisierte internationale Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year“ feiert sein 50-jähriges Bestehen. An der prestigeträchtigen „Weltmeisterschaft der Naturfotografen“ können sowohl Profis als auch Amateure teilnehmen. Die Preisträger in 16 Kategorien (+ 3 „Junge Naturfotografen“), wie „Komposition und Form“, „Unterwasserwelten“ oder „Das Reich der Pflanzen und Pilze“, wurden in diesem Jahr aus mehr als 45000 Bildern, die in 95 Ländern entstanden, ausgewählt. Die 100 besten Bilder werden in einer Wanderausstellung auch in Deutschland zu sehen sein. Wer diese nicht besuchen kann oder möchte, erfreut sich im Bildband des Knesebeck Verlags an allen ausgestellten Fotografien – die nicht immer im üblichen Sinne „schön“ erscheinen, denn die Themen Umweltzerstörung und Misshandlung von Tieren werden nicht ausgeklammert. Kurze Texte erklären die Begleitumstände der Aufnahmen, gleichzeitig lernt man etwas über die abgebildeten Motive.


„Wildlife Fotografien des Jahres – Portfolio 28“ vom Natural History Museum (Hrsg.), Knesebeck Verlag, 160 Seiten mit 80 farbigen und 20 schwarz-weißen Abbildungen, Begleittexten und Index.

„Nachtflug“ © Michael Patrick O`Neill / Wildlife Photographer of the Year 2018, Kategorie „Unterwasserwelten“

„Die Erscheinung“ © Jan van der Greef /  Wildlife Photographer of the Year 2018, Kategorie „Natur in Schwarz-Weiß“

Jacobi, Tom: Into The Light

Schwarz-Weiß

Von tg

 

"Weiß ist das Gegenteil von Schwarz, dem Nichts, dem Chaos, das auf ordnende Gestaltung wartet durch das Licht der Erleuchtung. Der Mensch braucht Weiß, die hellste aller Farben, zum Überleben, denn sie gibt ihm Halt in einer haltlosen Welt.“


Nach dem Bildband „Grey Matter(s)“, in dem der in Hamburg lebende Fotograf Tom Jacobi unseren blauen Planeten auf die Farbe Grau reduziert und komprimiert, ist nun Teil 2 der Trilogie „Awakening“ erschienen. In „Into The Light“ ergründet der langjährige Art Director des stern die „Reinheit gleißender Helligkeit“, die makellose Transparenz und Transzendenz der Farbe Weiß, will versinnbildlichen, dass „wir – aus der Dunkelheit kommend – zum Licht streben“.


Fast zwei Jahre bereiste Jacobi sieben Kontinente, wartete in archaischer, menschenleerer Natur auf das richtige Licht, was für ihn, wie er in einem Interview der WeLT verriet, das Beruhigendste ist, was er kennt.


Ruhe, Geduld und Faszination des Fotokünstlers sind spürbar in den großformatigen Bildern – durchweg in Schwarz-Weiß, mal High Key (nur helle Töne), mal in zarten Grauabstufungen, mal kontrastreich, immer auf das Wesentliche verdichtet: Form, Struktur, Linie, Fläche, Weite, Stille. Und über allem und in allem ein Strahlen. Licht, das durch eine dichte Wolkendecke bricht, den Wasserfilm auf einer Salzkruste in einen unermesslichen Spiegel verzaubert, im Eis erstarrtes Methangas und majestetische Klippen zum Funkeln bringt. Sandwüsten schimmern wie Schneelandschaften, pilzförmige Felsen verwandeln sich in arktische Eisgebilde und Kalksinterterassen in Watteburgen.


Es lohnt, sich Zeit zu nehmen für „Into The Light“, auch für die kurzen Begleittexte von Jacobis Frau Katharina, und wie von selbst wird Lesen und Betrachtung zur Meditation.


„Into The Light“ von Tom Jacobi, Hirmer Verlag, 144 Seiten mit 70 Abbildungen, begleitenden Texten und Index.

„Clean Cut“ – Lake Abraham in Kanada

„Magic Mushroom“ – Weiße Wüste in Ägypten

„Frozen Guardians“ – Märchenlandschaft in der Türke

Fotos © Tom Jacobi

Fennema, Sven: Melancholia – Zauber vergangener Welten

Lost Places

Von tg

 

„Die Eindrücke und die Atmosphäre sind einzigartig und begleiten mich nach jedem Besuch für eine lange Zeit. Alles scheint sich hier zu verlangsamen, und man kommt unweigerlich zur Ruhe.“

 

Nach „Nostalgia“, seiner persönlichen „Liebeserklärung“ an ein Land, dass ihn „vom ersten Moment an sehr beeindruckt hat“, ist Sven Fennema wieder quer durch Italien gereist. Auf der Suche nach dem „Zauber vergangener Welten“ hat er mit der Digitalkamera eindrucksvoll Lost Places in Szene gesetzt. Das sind vergessene, dem Verfall preisgegebene Orte ohne Hektik und Lärm, die sich die Natur zurückerobert.

 

Der über 4 kg schwere, großformatige Bildband „Melancholia“ zeigt ausgestorbene Bergdörfer, leer stehende Kapellen, Sanatorien, Ruinen moderner Industrie, mal finster, mal von Licht durchflutet. Unbewohnte, ehemals prachtvolle Palazzi und Villen. Menschenleere Kirchen, im stillen Gebet versunken, Grabstätten, die niemand mehr besucht, Theater und Kinos, bei denen der letzte Vorhang längst gefallen ist.

 

Fennema hat seine Leidenschaft und Faszination für diese unwirklich scheinenden Stätten voller morbidem Charme hervorragend in kraftvolle, poetische, von Melancholie durchtränkte Fotografien umgesetzt. Immer mit dem Blick für Komposition, Perspektive, Farbe, Struktur, Stimmung, Licht, Schatten, Details. Und der nötigen Ehrfurcht. Denn viele Aufnahmen zeugen auch von Armut, Leid, Ungerechtigkeit und Tod.

 

„Melancholia – Zauber vergangener Welten“ von Sven Fennema. Mit Texten von Petra Reski, Frederking & Thaler Verlag, 320 Seiten mit ca. 200 Abbildungen, Hardcover mit Leineneinband.

VENTILATORE I: Der Außenbereich eines stillgelegten Kraftwerks © Sven Fennema/F&T

HEATERNAL: Weite Teile dieser toskanischen Villa sind bereits zusammengefallen © Sven Fennema/F&T

SALVATORE: Alte Kirche am Hang eines Berges im noch winterlichen Kalabrien © Sven Fennema/F&T



Sonvilla, Christine & Graf, Marc & Haasmann, Robert: Unter wilden Bären

Natur

Von tg

 

„Es ist fast mucksmäuschen-still, nur ein schwaches Motorengeräusch lässt sich von der fernen Straße erahnen, als es plötzlich heftig neben mir poltert. Adrenalin schießt mir durch die Adern, ich bin hellwach und nachdem der Überraschungseffekt abgeklungen ist, muss ich lächeln. Ich bin nicht allein im Wald. Das war ein Bär!“


Wer in Nordslowenien Urlaub macht – etwa am beliebten Bleder See oder im grandiosen Triglav Nationalpark – und erzählt, er wolle nach Loški Potok, Cerknica oder Kočevje fahren, wird selbst von Einheimischen mit ungläubigen Augen angesehen: Was will ein Tourist denn in der Ecke? Da gibt es doch nichts zu sehen. Doch, gibt es. Bären! Im Süden von Slowenien findet sich einer der dichtesten Braunbärenbestände der Welt.


Den größten Beutegreifer Europas haben drei österreichische Fotografen über einen Zeitraum von drei Jahren in den Wäldern Südsloweniens studiert und mit beeindruckenden Bildern porträtiert. Darüber hinaus wissen sie eine Menge über Fähigkeiten, Lebensweise und Sozialverhalten der neugierigen und intelligenten Tiere zu berichten und lassen Bärenkenner zu Wort kommen.

 

Die Menschen vor Ort zeigen, wie das Zusammenleben mit Bären funktionieren kann – sie haben sich arrangiert, beugen mit kreativen Maßnahmen möglichen Schäden vor, bzw. nehmen diese mal mehr, mal weniger entspannt und augenzwinkernd in Kauf.


Ein rundum stimmiges, informatives Buch und engagiertes „Plädoyer für die Wildheit“, gegen Vorurteile und unbegründete Ängste.


 „Unter wilden Bären – der neue Nachbar in unseren Wäldern“ von Christine Sonvilla, Marg Graf, Robert Haasmann, Frederking & Thaler Verlag, 166 Seiten mit ca. 230 Abbildungen.

Zur Paarungszeit im Mai und Juni suchen die einzelgängerischen Braunbären die Gesellschaft ihrer Artgenossen

Bären sind „schnell, stark und können gut klettern, sie haben aber auch einen natürlichen Fluchtinstinkt vor dem Menschen“

Die ersten ein bis zwei Lebensjahre verbringen Jungbären bei der Mutter und lernen alles Notwendige für das Überleben im Wald

Fotos © Sonvilla/Haasmann/Graf/Frederking & Thaler Verlag



Gorden, Reuel (Hrsg.): National Geographic. In 125 Jahren um die Welt. Europa

Europa

Von tg

 

"Die Ausrüstung des Fotografen ist eine Erweiterung seiner Gefühle und seiner Phantasie", sagte Anfang der 1980er Jahre der National Geographic-Fotograf James L. Stanfield. "In 125 Jahren um die Welt – Europa" zeigt spektakuläre Fotos aus dem National Geopraphic Magazine, kommentiert diese mit ausgewählten Reportagen aus den Archiven der Zeitschrift und nimmt die Leser mit auf eine Expedition "zur Seele Europas", vom Polarkreis bis an den Bosporus.

Eine historische Entdeckungsfahrt, die mit frühen Schwarz-Weiß-Aufnahmen beginnt und mit der digitalen Fotografie längst nicht ihr Ende gefunden hat. Der exzellente, großformatige Bildband zeugt von der Vielfalt, Schönheit und wechselhaften Geschichte unseres Kontinents, von grandiosen, einzigartigen Landschaften und prächtigen Bauwerken. Und er hält berührende Momente bereit, von Menschen in der Natur, bei der Arbeit, beim Tanzen und Feiern und beim Trauern um die Verstorbenen. In einer Phase, in der sich Herzen verengen und der Ruf nach Abgrenzung wieder lauter wird, ist ein Buch wie dieses mehr als eine fotografische Zeitreise, es ist ein kraftvolles Plädoyer für mehr Gefühl und Phantasie, für mehr Europa – ein offenes, freies, schönes Europa ohne Grenzen.

"In 125 Jahren um die Welt – Europa" (Cover:
© TASCHEN) von Reuel Gorden (Hrsg.), Taschen Verlag, 336 Seiten.

S. 209 / F. S. Lincoln. France, circa 1930.

Heiting, Manfred: Edward Weston

Schwarz-Weiß

Von tg

 

"Mir geht es jetzt darum, mich ohne Vorurteil, ohne Verfälschung mit der Natur zu identifizieren, die Dinge wie sie sind, ihr innerstes Wesen zu sehen oder zu erkennen ..."

 

Edward Weston (1886–1958) war einer der bedeutendsten amerikanischen Schwarz-Weiß-Fotografen des 20. Jahrhunderts.

Eine Auswahl aus seinem Werk ist nun im Taschen Verlag (Cover: Copyright TASCHEN) erschienen. Sie zeigt Westons künstlerischen Werdegang von frühen weichgezeichneten und stark bearbeiteten Porträts im piktorialistischen Stil über detailscharfe Fotos von Industrieanlagen bis hin zu klassischen Objekt-, Akt- und Landschaftsaufnahmen, die sich auf das Wesentliche beschränken und bis heute nichts von ihrer "direkten, leidenschaftlichen, kompromisslosen" Ausstrahlung verloren haben.

"Edward Weston" von Manfred Heiting (Hrsg.), mit einem Essay von Terence Pitts und einem Portrait von Ansel Adams, Taschen Verlag, 252 Seiten.

© TASCHEN

Salgado, Sebastião: Genesis

Schwarz-Weiß

Von tg

 

"Dieses Werk ist das Ergebnis meiner Reisen, eine visuelle Liebeserklärung an die Erhabenheit und Zartheit der Welt. Doch es ist zugleich eine Mahnung, so hoffe ich, dies alles nicht aufs Spiel zu setzen ..."

Für sein aktuelles Langzeitprojekt "Genesis" (Cover:
© TASCHEN) erforschte der renommierte und sozial engagierte brasilianische Fotograf Sebastião Salgado auf 32 Reisen 8 Jahre lang zu Fuß, in Booten, kleinen Flugzeugen oder Fesselballons abgelegene Winkel unserer Erde. Meistens gemeinsam mit seinem Kollegen Jacques Barthélemy, mitunter in Begleitung seiner Frau Lélia – mit der er zusammen das Instituto Terra leitet, und die auch dieses Buch gestaltete – oder seines Sohns Juliano. "Wir machten es uns zur Aufgabe, die Landschaften und Seegebiete aufzuspüren, die Tiere und uralten Völker, die dem langen – und oft zerstörerischen – Arm der modernen Zivilisation entgangen waren".

Salgados Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind von exzellenter Qualität und zeitloser Schönheit und werden bzw. wurden in diversen Ausstellungen gezeigt.

Eine umfangreiche Auswahl dieser "Hommage an unseren Planeten in seinem ursprünglichen Zustand" bietet der erstklassige Fotoband aus dem Taschen Verlag. Er ist in fünf, verschiedene Regionen und Ökosysteme präsentierende Kapitel gegliedert: "Im Süden der Erde", "Zufluchtsorte", "Afrika", "Nördliche Weiten" und "Amazonien und Pantanal".

Einleitende Texte stimmen auf die Bilder ein, die z. T. meditativen Charakter haben, größtenteils Doppelseiten füllen und über die man in einem beiliegenden Extraheft nähere Informationen erhält. Etwa, dass der Perito-Moreno-Gletscher 30 Kilometer lang ist und vom Südpatagonischen Eisfeld, dem drittgrößten Süßwasserspeicher der Erde, gespeist wird. Dass der Lavakaktus von den Galapagosinseln auf jungen Lavaströmen wächst und 50 verschiedene Arten von Lemuren nur im biologischen "Hotspot" Madagaskar vorkommen. Oder es wird erklärt, wie ein Heil- oder Trancetanz dem in der Kalahari-Wüste lebenden Volk der San, auch Buschmänner oder Bochimans genannt, "Eintritt in die Welt der Geister" ermöglichen soll.

Wer selbst fotografiert und vielleicht sogar einmal in der Dunkelkammer gearbeitet hat, wird sich über viele Details freuen, die die Faszination von Schwarz-Weiß ausmachen: das Spiel von Licht und Schatten, harte Kontraste und sanfte Grauabstufungen, Körnung, Strukturen, Linien und Formen, die Verdichtung aufs Wesentliche. Da Salgado während des Projekts von der analogen zur digitalen Fotografie überwechselte (Negativfilme wurden versehentlich bei einer Kontrolle am Flughafen zerstört), vereint das gedruckte Bildmaterial die Stärken beider Aufnahmeverfahren.

Aber auch für LeserInnen und Betrachter ohne fotografische Kenntnisse ist "Genesis" ein faszinierendes, aufrüttelndes Zeugnis von (nahezu) unberührter Natur und dem Leben in und mit ihr.

"Genesis" – Fotos von Sebastião Salgado, Konzeption und Gestaltung Lélia Wanick Salgado, Hardcover, Taschen Verlag, 520 Seiten.