Krise als Chance

Krise als Chance? Ist das möglich? Krise als Chance – nein danke! Trotzdem kommen wir nicht drumherum. Finanzkrise, Umweltkrise, Gesundheitskrise – die Nachrichten konfrontieren uns täglich mit globalen Zuspitzungen, die uns Angst einjagen. Aber auch unser Leben "im Kleinen" ist nicht gefeit vor Krisen. Eine Krise als Chance zu sehen, ist uns meistens erst möglich, wenn wir das Licht am Ende des Tunnels sehen. Dass wir eine Krise als Chance genutzt haben, ja nutzen mussten, weil uns nichts anderes übrig blieb, erkennen wir dann, wenn wir feststellen, dass wir uns weiterentwickelt haben. Persönliche Krisen – häufig durch plötzliche unerwartete Ereignisse ausgelöst –, werfen uns aus der Bahn, erscheinen uns übermächtig, bescheren uns Gefühle der Schuld, Ohnmacht, Einsamkeit und Ausweglosigkeit. Eine Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung von einem geliebten Partner, ein unerlöstes Trauma, Burn-out, all das kann Auslöser für eine tief gehende Sinnkrise sein, die nicht durch alte Strategien zu bewältigen ist. Der Ausweg aus der Stagnation ist mit schmerzlichen Prozessen verbunden, die aber eine Chance zur Weiterentwicklung, für einen Neubeginn bieten. Professionelle, therapeutische Hilfe ist unterstützend und wichtig, damit wir nicht in unseren Problemen versinken und die Krise als Chance begreifen lernen.



Entwicklungschancen

Bewusstes Wahrnehmen und Annehmen der eigenen Person sowie auch äußerer Situationen sind Ausgangspunkte für Veränderungen. Gelernte, zumeist negative Selbstbilder und Lebensmuster können hinterfragt und in eine positive Wahrnehmung transformiert werden.  Von Beate Hohlmann, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Bielefeld

Eine Klientin fand schöne Worte dafür: "Alles Wissen bedeutet nichts, wenn man sich selber nicht kennen und lieben lernt". Seelische oder körperliche Krankheiten und Sinn- oder Lebenskrisen sind immer auch als Entwicklungschancen begreifbar. Psychotherapie unterstützt fachlich fundiert die Erkenntnis und Akzeptanz des eigenen Selbst und dient dem Erreichen von mehr Lebensqualität und Zufriedenheit sowie letztlich auch dem geistigen und seelischen Wachstum. Durch die spirituelle Arbeit kann darüber hinaus eine neue Bewusstseinsebene entstehen, die zu einer tieferen Aufrichtigkeit, zu Mitgefühl, innerer Stille und Sinnhaftigkeit führen kann. Mithilfe tiefenpsychologischer und gestalttherapeutischer Methoden und "spiritueller Verfahren" (z. B. Reiki, Radionik, Meditation) können Menschen dabei unterstützt werden, sich selbst besser verstehen zu lernen sowie selbstbewusst und eigenverantwortlich durchs Leben zu gehen. Bist Du bereit, Dein Herz zu öffnen und ein bewusster, achtsamer, authentischer und mitfühlender Mensch zu sein?


Aus dem Unbehagen wächst die Kraft

Im Kern von jeglicher Entwicklung gibt es eine vertrauensvolle Offenheit. Als Kind gehen wir die ersten Schritte in diesem Vertrauen. Jedes neue Level unseres Lebens und Bewussteins erreichen wir, weil inmitten von Angst, Verzagtheit oder Starre in uns auch diese Fähigkeit zum Offensein ist.  Von Antje Uffmann, HP (Psych.), Bielefeld

Jede Krise, die wir meistern, birgt die Gefahr, dass wir uns in der Angst verlieren – und die Chance, vertrauensvoll in das hinein zu wachsen, was wir noch nicht verstehen, und es zu lernen, während es geschieht. Mit all der Unsicherheit und Angst, die diesen Prozess begleitet. Gerade leben wir in einer Zeit großer Anspannung. Kriege, Armut, undurchschaubare Wirtschafts- und Politik-Allianzen, Flüchtlingsströme – eine Krise reiht sich an die andere. In all dieser Unsicherheit kommen wir mit tief sitzender Angst in Kontakt, sie ist allgegenwärtig. Wie gehen wir damit um? Wir stehen gerade auf dem Prüfstand, betreffs der Grundwerte unseres sozialen Zusammenlebens – Unantastbarkeit der Menschenwürde, Schutz der Menschenrechte, Gleichheit aller vor dem Gesetz. Dieser Werte sind wir uns sicher, solange wir uns sicher fühlen. Aber wenn es wackelt an der Basis, dann kommt die Angst. Wie kann es gehen? Was kann ich tun? Wohin wird das führen? In Angst reagieren wir anders, sind  angespannt. Die weltzentrische Sicht verengt sich wieder. Wir werden defensiv, jeder Mensch auf seine Weise. Und das ist der Punkt, an dem wir die Chance brauchen. Für mich bedeutet das: Offenheit riskieren. Meine Angst wahrnehmen. Das Aufgewühltsein, das Gefühl von Unbehagen, das ich habe, wenn ich keine Lösung weiß. Die gefühlte Unumgänglichkeit des Handelns. Die Ohnmacht, wenn mir Lösungen einfallen und ich nicht die Werkzeuge habe, sie auf den Weg zu bringen. Vertrauen bedeutet: das alles gehört dazu. Ich sitze eine Weile damit, lausche – übertöne es nicht gleich mit Aktionismus oder Rückkehr zum Gewohnten. Sondern bleibe drin – ganz nah, ganz intim mit der Angst, mit diesem unguten Gefühl. Denn die Lösung, der heilende Impuls wächst aus diesem Boden. Das Unbehagen ist der Dünger. Von innen her kann ich zu einem wirksamen Handeln kommen. Alles Gute, das geschehen kann, ist bereits in uns, es wächst in dieser angstvollen Verunsicherung. Stärken wir also unsere Offenheit, die Fähigkeit, mit der Realität in Kontakt zu sein – innen und außen! Dann wurzelt das Handeln in einer kraftvollen Erde und wird Früchte tragen.


Spiegelblick

Schau ich mir in die Augen,
dringt mein Blick bis in mein Herz ...
... ich trau mich kaum zu atmen,
ach, so tief trifft mich mein Schmerz.
Von Alma Katrin Wagener

Was ich in meinen Augen lese, ist mehr als ich ertrag. Ich schau mich an und ich ergeb mich, und spür es Tag für Tag ... Was ich dann fühl ist Angst und Trauer, auch Einsamkeit und Weh. Und mir wird kalt, ich fürchte mich, weil ich mich nicht versteh ... Ich spür den Drang, mich abzuwenden, doch etwas hält mich auf. Ich ahne, dass in meinen Händen, ein Schatz liegt, und vertraue drauf ... Dann spür ich, wie er weicher wird, mein Blick, wie er zerfließt. Voll Wärme und so liebevoll, er still mein Herz umschließt ... Und was mein Blick mir sagen will: "Ich lieb dich und versteh." So lern ich mich zu lieben, wenn ich mich im Spiegel seh …


Trennung ist keine Lösung

Alles im Leben hat seinen Sinn, seine Bedeutung und seine Funktion. Unser Job, Freunde, Kinder, Partner und auch unsere finanzielle und gesundheitliche Verfassung sind nicht zufällig oder aus  Versehen entstanden, sie sind Resultat und Ausdruck unseres seelischen Willens.  Von Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld

Unsere verkörperte Seele will erfahren, entwickeln und lernen, will sich im Spannungsfeld von Liebe und Angst selber erforschen und kennenlernen. All die Erfahrungsräume, die wir erleben und in denen wir leben, sind durch uns selbst gewollt und erschaffen, denn sie dienen unserem Erfahren und Lernen. Leben im Körper heißt: fühlen und spüren und empfinden, denn nur im Körper und durch den Körper sind wir empfindungsfähige Wesen. Zwischen den Polen Angst und Liebe ist dieses Empfinden weiß Gott nicht immer angenehm. In Momenten der Liebe erleben wir uns wohlig erfüllt, können entspannen und genießen. In Zeiten des Mangels an Liebe zeigt sich dann Trauer und Schwäche, Schmerz und Angst. Nun ist es ein natürlicher, biologischer Reflex, dass wir bestrebt sind, am Angenehmen festzuhalten und das Unangenehme zu vermeiden, und auch mit diesem Phänomen des Mensch-Seins machen wir unsere Lern-Erfahrungen. Unser Versuch, uns von allem und jedem zu trennen, was unangenehme Empfindungen in uns auslöst, lässt unsere Lebensräume schrumpfen und reduziert unsere Vitalität. Trauer, Schmerz und Angst gehören zum Leben dazu. Es sind wertvolle Aspekte unseres Gefühlsspektrums und es lohnt sich, ihren Wert und ihre Funktion verstehen zu lernen. Grundvoraussetzung für dieses Lernen ist jedoch die Bereitschaft, unsere unangenehmen Gefühle zu erlauben, wahrzunehmen und zu durchfühlen. Trennung ist immer Kampf, ist Verschließen, Vermeiden und Abschneiden und häufig begleitet von Verzweiflung, weil Trennung auch immer ein inneres Ent-Zwei-en bedeutet; wir trennen uns immer auch ein Stück von uns selbst.  Lösung hingegen ist immer ein Prozess, nicht immer angenehm, manchmal sogar zutiefst verstörend und beängstigend. Lösung ist ein Prozess der durchlebt  und durchlitten werden will, aber dann an seinem Ende auch wirklich eine spürbare Lösung ist. Wir fühlen uns entspannt und gelöst, alles hat sich fügen und finden können. Trennung ist gewaltsames Handeln aus Angst, Lösung hingegen ist ein Akt der Liebe. Deshalb ist Trennung keine Lösung!


Plötzliche und vertraute Krisen

Seit über zwanzig Jahren habe ich mich beruflich mit dem Phänomen "Menschsein" beschäftigt. Meiner Erfahrung nach gibt es zwei Arten von Krisen in unserem Leben.  Von Andrea  Szelinski, Gütersloh

Krisen, die uns ganz plötzlich ereilen, quasi aus heiterem Himmel heraus, und die, die uns immer wieder begegnen, wie vertraute Freunde in unterschiedlichen Verkleidungen ... Beziehungskrise, finanzielle Krise, Sinnkrise ... Beide Arten von Krisen sind Geschenke an uns. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass etwas in unserem Leben aus der Balance geraten ist. Beide Arten geben uns die Chance, eine Kurskorrektur vorzunehmen. Die plötzlichen, die uns aus heiterem Himmel überfallen, sind oft eine Art Recall! Etwas, was wir zu einem früheren Zeitpunkt erlebt und verdrängt haben, wird durch äußere Umstände geweckt. Wir erleben ähnliche Dinge noch einmal und ein alter unerlöster seelischer Schmerz meldet sich, weil er endlich gesehen (und gelöst) werden möchte. Unser System, bestehend aus unserem mentalen, emotionalen und physischen Körper schlägt Alarm und wir haben plötzlich Panikattacken, Schlafprobleme, Allergien, Burn-out o. ä. Die vertrauten Krisen sind eine Art transpersonale Zeichen, die uns daran erinnern sollen, unseren ureigensten Weg zu gehen. Sie begegnen uns in Form eines Mangels ... Geldmangel, Gesundheitsmangel, Mangel an Selbstwert ... Wären wir in der Lage, eine Krise als das zu sehen, was sie ist, würden wir rufen: "Hurra, eine Krise!" Denn Krise ist von der Wortbedeutung her nichts weiter als eine Zeit der Entscheidung oder eine entscheidende Wendung. Aber mitten im Auge der Krise sind wir überfordert und können oft nicht in Ruhe und mit Abstand über unsere Situation nachdenken. Wir starren buchstäblich wie das Kaninchen auf die Schlange! Oder die Krise bedeutet für uns unbewusst einen Gewinn – etwa die Zuwendung und Aufmerksamkeit von anderen. Deshalb ist es gut, wenn es Fachleute gibt, die uns dabei unterstützen herauszufinden, welche Entscheidung in dieser Zeit getroffen werden möchte. Und die dabei den individuellen Weg des Rat suchenden Menschen im Blick haben. Zum Beispiel die faszinierende Möglichkeit, mit einem kinesiologischen Muskeltest als körpereigenes Feedbacksystem das Unterbewusstsein und das Gehirn mit seinen gespeicherten Stressoren zu befragen, macht die kinesiologische Beratung zu einer individuellen und achtsamen Methode der Krisenbewältigung.


Korten, David C.: Change the story, change the future

"Als entscheidungsfähige Wesen leben wir gemeinsam durch unsere Geschichten. Sie sind die Brille, durch die wir die Wirklichkeit betrachten. Sie formen sowohl, was wir als Gesellschaft wertschätzen als auch die Institutionen, durch die wir die Machtverhältnisse strukturieren." mehr

Wechseljahre als Chance erfahren

Wechseljahresbegleitung und Wechseljahre Seminare in der Weiblichkeitspädagogik. Die Wechseljahre sind eine natürliche Entwicklung des weiblichen Körpers zwischen dem 40. und ca. 65. Lebensjahr und bilden den Übergang vom Leben als gebärfähige Frau ins Alter hinein.  Von Anna-Maria Lösche, Weiblichkeits- und Tanzpädagogin, Fachreferentin für ganzheitliche Frauenarbeit, Dozentin, Therapeutic Touch Practitioner, Wunstorf

Dieser wichtige weibliche Entwicklungsabschnitt erfährt in unserer Kultur kaum Anerkennung und wenig Unterstützung. Alles richtet sich darauf aus, uns als Mängelwesen zu sehen, denen mit Hormonen und Anti-Aging auf die Sprünge geholfen werden muss, um solange wie möglich einem jugendlich-straffen-sexy Frauenbild zu genügen. Auch wenn mittlerweile ins Bewusstsein gedrungen ist, dass die Einnahme von Hormonen in den meisten Fällen mehr Schaden als Nutzen bringt, scheinen Anti-Aging-Methoden aller Art die Mittel der Wahl zu sein.

 

Selbstverständlich ist es sinnvoll, alle Möglichkeiten wahrzunehmen, gut für sich zu sorgen, und das mag individuell ganz unterschiedlich sein.

 

Aber sich nur an den äußeren Werten unserer Leistungsgesellschaft zu orientieren, an einem Frauenbild festzuhängen, das wir längst hinter uns haben, ist nicht ausreichend, um das wunderbare Potenzial, das die Wechseljahre für uns bereithalten, auszuschöpfen.

 

Hier kann die Weiblichkeitspädagogik als relativ neuer Berufszweig Frauen unterstützen und begleiten, diese über viele Jahre währende Zeit zu nutzen, sich nicht mit oft unbewussten Anti-Haltungen abzukämpfen, sondern mit einem Ja zum Älterwerden sich für möglicherweise vollkommen neue Sichtweisen, Einstellungen und Perspektiven zu öffnen, ja – und auch Schönheit im Älterwerden und Altsein zu entwickeln. Ja sagen, sich in Liebe annehmen, sich sinnlich fühlen ... macht schön. Und dieses lehrt der weibliche Weg.

 

Bilanz ziehen

 

Zunächst ist es sinnvoll, Bilanz zu ziehen, Bestandsaufnahme zu machen und unser bisher gelebtes Leben in all seinen Facetten zu würdigen und wertzuschätzen. Dazu gehört auch, sich mit dem zu versöhnen, was wir vermeintlich versäumt haben, was uns misslungen ist, was einfach nicht werden wollte. All das zu fühlen und wahrzunehmen bedeutet einen ungeahnten Zuwachs an Lebensenergie für das Älterwerden und fruchtbaren Nährboden für unsere sich neu entwickelnde Schöpfungskraft, die sich nun nicht mehr auf der körperlichen Ebene abspielt, dafür aber umso intensiver auf der geistigen!

 

Zentral ist die Frage, was ich unbedingt gelebt haben möchte, bevor ich sterbe. Das hört sich ziemlich heftig an, ist aber die Realtität. Die Realität unserer Endlichkeit wird Frauen jenseits der Menopause durch das Wegfallen ihrer physischen Fruchtbarkeit viel deutlicher bewusst als Männern.

 

Die Ärztin und Autorin Christiane Northrup spricht in ihrem Buch über die Wechseljahre vom "Schleier der weiblichen Fortpflanzungshormone, der sich hebt und unser jugendliches Feuer, unseren jugendlichen Geist häufig neu entfacht". Wir knüpfen an die Kraft und Begeisterungsfähigkeit an, die wir als junge Mädchen hatten, an ihre Ideen, Wünsche und Sehnsüchte, die wir möglicherweise noch nicht gelebt haben. Ähnlich wie in der Pubertät findet eine hormonbedingte Neuverkabelung im Gehirn statt.

 

Die Wechseljahre sind ein Weckruf, genauer hinzuschauen. Sie laden uns ein, ihr Geschenk zu nutzen, um nach der biologischen Verpflichtung des Sorgens für andere die zweite Hälfte unseres Lebens zu unserer eigenen zu machen. Denn sie ist für unser Lebensspiel entscheidend. Frau muss nun Verantwortung für sich übernehmen, für ihre Gesundheit, ihr Gefühlsleben, ihre Lebensgestaltung.

 

Übergangsphase

 

Wir befinden uns in einer Übergangsphase, wo Bisheriges irgendwie nicht mehr passt, aber Neues sich noch nicht entwickelt hat, noch keinen Ausdruck findet. Da fühlen wir große Verunsicherung, Unruhe und vielleicht auch Verzweiflung, weil wir nicht wie gewohnt, in dieser Welt, die ständig auf Fitness und Leistungsbereitschaft pocht, funktionieren können, und oft auch nicht mehr wollen.

 

Unser Selbstbild der starken und leistungsfähigen Frau kann mächtig ins Wanken geraten ...  Kinder gehen aus dem Haus, vielleicht gibt es pubertierende Töchter, die mit ihrer hormonellen Situation auf die unsrige stoßen. Die Begleitung kranker Eltern und der Abschied von ihnen im Tod stellen uns vor große emotionale Herausforderungen und bringen uns in Kontakt mit den mächtigen, verwandelnden Kräften des Lebens, die von außen auf uns einwirken, aber durch den hormonellen Umstellungsprozess auch im Inneren stark aktiv sind.

 

Da geschieht ohne unser Wollen eine Transformation mit uns, die erschreckend sein kann. Wir müssen zurücklassen, was gewohnt und vertraut ist, und zunächst geradezu wie in einem Niemandsland ausharren.

 

Christiane Northrup spricht von der "Unterwelt", in der wir eine Zeitlang verweilen und Ängste, Kummer und Verwirrung zulassen. Denn erst dann können neue Perspektiven sichtbar werden. Dieser klassische Übergangsprozess mit den Phasen von Abschiednehmen, durchgehen, im Neuen ankommen kann über mehrere Jahre anhalten. Es ist wie eine Schwangerschaft, die Zeit muss reif sein, bevor wir uns neu auf die Welt bringen. Dazu braucht es Rückzugsräume, Bewusstseinsarbeit, Mut und natürlich Liebe. Vor allem Selbstliebe.

 

Die Weiblichkeitspädagogik kann dafür Raum bieten. Wir können lernen, in dieser wechselvollen Zeit uns voller Liebe mit allem anzunehmen, was auftaucht, unsere Voraussetzungen und Behinderungen selbst gut zu verstehen und versöhnlich mit uns zu sein. Unser Leben war bis dahin so sehr von äußeren Faktoren bestimmt, dass wir die Wünsche und Sehnsüchte unseres Herzens nicht kennen. Das gilt es jetzt nachzuholen, um die Weichen für ein erfüllendes Alter zu stellen.

 

Chancen

 

Es ist außerdem ein besonderes Geschenk, mit anderen Frauen im Wandel zusammenzukommen. Wir brechen das Schweigen über die Wechseljahre und unterstützen uns schwesterlich auf dem spannenden Weg der Neu-Werdung. Hier entsteht ein Energiefeld, das in unserer Kultur einmalig ist. Wieviel weibliches Potenzial dämmert in irgendwelchen Senioreneinrichtungen vor sich hin, weil es nie die Chance hatte, sich zu entwickeln, Zeit und Bewusstsein nicht reif dafür waren. Aber jetzt! Jetzt haben wir die Chance, uns verwandeln zu lassen, um weibliche Werte mit Reife, Erfahrung und Weisheit in der Welt erscheinen zu lassen.


Dada gehts lang – Orientierung im Chaos finden

"Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner; Dich Dir, ich Dir, Du mir, ---- wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher! 
Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?“  
Von tg 

Was für ein Unsinn, werden sich viele gedacht haben, als das berühmte Gedicht von Kurt Schwitters, die irritierend-rätselhafte Liebeserklärung „An Anna Blume“, im Jahr 1919 erschien. Gaga? Ja, und zwar gewollt. Oder nennen wir es lieber beim Namen: Dada(ismus) – eine anarchische, provozierende, künstlerische und literarische Bewegung, die alles dekonstruierte und auf den Kopf stellte. Sinnlosigkeit, Zufall und Spontaneität als Kritik gegen verkrustete politische, gesellschaftliche, moralische und ästhetische Konventionen einsetzte. 
Und auch heute noch Künstler inspiriert. Womöglich Liebende. Und Sinnsucher.

 

Provokanter Unsinn der Dadaisten hatte seinen Ursprung im Protest gegen einen von Krisen geprägten, als unerträglich empfundenen Istzustand (1. Weltkrieg) und war der Aufruf zu einem Neuanfang. Können wir in Krisenzeiten etwas vom Dadaismus für unser eigenes Leben, lebensverändernde Entscheidungen lernen? Vielleicht, dass wir, sobald alles auseinanderzubrechen scheint, eingefahrene Strukturen und „Augen zu und durch“ nicht mehr funktionieren und wir innerlich erstarren, den Status quo auf den Prüfstand stellen. Uns mutig, kreativ, aufgeschlossen, allein oder gemeinsam, auf die Suche nach sinnstiftenden Alternativen, neuem Sinn überhaupt machen, einem Platz in der Welt, der sich (wieder) stimmig anfühlt.
 
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, dichtete Hermann Hesse. Zugleich ist aller Anfang schwer, mitunter leidvoll, benötigt Mitgefühl, Offenheit. Und – weil die Gegenwart beängstigend, beklemmend, trist, hohl und sinnlos erscheint – Hoffnung auf eine noch im Verborgenen liegende bessere Zukunft. So bringen wir die Kraft, Ausdauer und Geduld auf, trotz aller Zweifel den ersten Schritt zu wagen und ihm weitere folgen zu lassen. „Taumeltürmen“ (frei nach Schwitters), bis das Gefühl, ohne Halt, verloren zu sein, der Zuversicht weicht und Licht am Ende des Tunnels auftaucht.

Vom Hölzchen aufs Stöckchen

Doch wieso ist es wichtig, dass wir das Leben als sinnvoll erachten? Warum denken wir über Sinn nach? Brauchen Sinn? Geraten aus der Spur, wenn alles sinnlos erscheint?

Schauen wir, welche Synomyme der Duden für das Wort „sinnlos“ vorschlägt: aussichtslos, erfolglos, vergebens, wertlos, überflüssig, für die Katz – eine Aneinanderreihung von deprimierenden Aussichten. Synonyme für „sinnvoll“ klingen wesentlich positiver und aufmunternder: wohlüberlegt, clever, vernünftig, zweckmäßig, befriedigend, erfüllend. Kein Wunder, was Studien ergeben haben: Wer sein Leben als sinnvoll erachtet, ist physisch und psychisch gesünder.
Der Mensch kann sich – im Gegensatz zum Tier – die ferne Zukunft ausmalen, Gegenwart und Vergangenheit einordnen, stundenlang über sich selbst, Gott und die Welt philosophieren und ist imstande zu vielschichtiger Selbstreflexion. Ein derart befähigtes Wesen, das „nicht gänzlich oberflächlich lebt, stellt sich irgendwann die großen metaphysischen Fragen: Woher kommen wir? Warum sind wir hier? Wohin gehen wir?“, betont der Soziologe und Professor für Politikwissenschaft Volker Eichener.

An Überlegungen zum Sinn des Lebens kommt man/frau also nicht vorbei, allerdings schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen. Vom großen Ganzen zum kleinsten Teilchen. Oder umgekehrt. Wobei die Perspektive entscheidend ist. Wollen wir Sinn und Zweck des gesamten Universums ergründen? Das religiöse, spirituelle, wissenschaftliche Verhältnis zu Schöpfer und Schöpfung oder unser Gelände im kulturellen, soziologischen und ökologischen Gefüge abstecken? Persönliche Erlebnisse, Haltungen, Handlungen, Wertvorstellungen, Wünsche und Ziele, unser kurzes irdisches Dasein in einem erfüllenden, sinnvollen Kontext des Miteinanders verstehen? Behalten wir den Überblick, am besten alles im Blick.

Was den Sinn im Großen und Ganzen angeht, herrscht wenig Einigkeit. Die Wissenschaft hat bislang keine Schöpferinstanz des Universums entdeckt, spricht zumeist von Zufall, kann weder Sinn noch Zweck belegen. Religiöse, spirituelle Menschen sehen das anders, verweisen auf Ganzheit, Ordnung, Kreativität, Evolution, Bewusstheit, All-Eins-Sein, einen göttlichen Plan. Endgültig beweisbar ist das ebenfalls nicht. Philosophen und Psychologen verfolgen unterschiedliche Ansätze und konzentrieren sich zunehmend auf menschliche Fähigkeiten, die es auf eine gelungene, ethische, selbstbestimmte und -verwirklichte Art zu verfeinern gilt, um dem eigenen Dasein Erkenntnis, Tiefe, Fülle, Qualität, Intensität, Motivation, Freude, Glückseligkeit zu geben. Und autonom, kompetent, sozial eingebunden nach Prinzipien und Werten und mit Ausrichtung auf etwas Transzendentes, Größeres, zu handeln. 

Nehmen wir es mit Humor und begnügen uns vorerst damit, was der Supercomputer Deep Thougt im Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf die Frage nach dem „Sinn des Lebens, des Universums und allem“ antwortet: „42“. Immerhin hat die Berechnung 7,5 Millionen Jahre gedauert. Schwitters lässt grüßen. 
Die Frage nach universellem Sinn wird wohl nie ein für alle Mal objektiv und widerspruchsfrei beantwortet werden. Die Wirklichkeit ist weder in Stein gemeißelt noch in Algorythmen zu finden. Sie ist komplex, im Fluss – und aller Voraussicht nach in vollem Umfang zu hoch für das menschliche Gehirn und alle Supercomputer zusammen.

Klein, aber oho

Legen wir den Fokus auf den Sinn im Kleinen, wie man/frau ihn für sich entdeckt und deutet. Hierzu gibt es eine Menge Erkenntnisse aus Forschung und Selbsterforschung: Sinn ist kein Gefühl, aber mit Gefühlen verknüpft, wird individuell empfunden, geglaubt und gedacht, ist einfach da, geht verloren, wird gesucht. Strebt nach Bedeutung, Authentizität, Verbindung, Freiheit, Zufriedenheit, sinnstiftenden Tätigkeiten und mehr. Verortet die eigene Einzigartigkeit im Wir, der Natur, dem Kosmos und ist für alle lebenswichtig. Abgesehen von denen, die sich keinen Kopf darüber machen. Wozu auch, wenn schon Goethe der Meinung war, das Leben selbst sei der Sinn des Lebens.

Jede/r Einzelne kann für sich selbst eine Antwort finden. Angefangen bei aktuellen Problemen, die Bedürfnissen im Weg stehen. Anstatt nur noch zu funktionieren, agieren. Mit Besinnung auf das Wesentliche, Sinn für die Realität. Und einer Vision. Dem Willen, die eigene Weltsicht weiterzuentwickeln, die Perspektive zu wechseln. Den Mut, aufgeschlossen, neu zu denken und von innen heraus befriedigende, sinnerfüllte Alternativen im Außen zu suchen. Die schlüssig sind in Bezug auf Wünsche, Talente, Charakter, Mentalität, den passenden Platz im kulturellen, sozialen, natürlichen Gefüge, dem Universum insgesamt. Der integrale Denker und Philosoph Ken Wilber weist darauf hin, dass tiefer Sinn dort gefunden wird, wo wir über das Ich, den „ichhaften Sinn“ hinausgehen und vom Tun ins Sein kommen: „Man findet den Sinn nicht in äußeren Handlungen oder Prozessen, sondern in den inneren strahlenden Strömungen des eigenen Seins und im Freisetzen und in den Beziehungen dieser Strömungen zur Welt, zu Freunden, zur Menschheit im allgemeinen und zur Unendlichkeit selbst.“ Was zudem bedeutet, sich mit der Vergänglichkeit „zu befreunden“. 

Folglich geht es einerseits um stufenweise Entwicklung als unverwechselbares, endliches Wesen in der Fülle der Manifestation, der relativen Wahrheit. Andererseits um Verwirklichung von höheren Bewusstseinszuständen (mithilfe von Meditation) über grob, subtil, kausal, bezeugend zu nondual, die Erfahrung des ewigen Urgrunds, der (göttlichen) Quelle der Existenz, die als absolute Wahrheit wahrgenommen wird – und wo sich jegliche Frage im „Nichts“, in der Leere auflöst. Auch die Frage nach Sinn. Im nondualen Zustand ist alles gut wie es ist. 

Die Verbindung von beidem, zu globaler Sicht evolvierendem Bewusstsein im alltäglichen Wirken der Gegensätze, und Bewusstseinszuständen, bis hin zu Einheitserfahrungen, ergibt ein paradoxes Zusammenspiel, dass es ermöglicht, das Schöne, Gute und Wahre, Sinn auf umfassende Weise zu verwirklichen. Auf für uns typische Weise als Mann, Frau, extrovertierter oder introvertierter Mensch mit besonderen Talenten. Und in gesunder Form – denn sind dunkle Schattenanteile nicht bewusst und erlöst, kann Sinn in destruktivem Tun erfahren werden. 

Obwohl Sinnempfinden von diversen inneren und äußeren Faktoren abhängt, subjektiv und in der Regel flüchtig ist, haben Forschungen, von denen die Professorin für Existenzielle Psychologie Tatjana Schnell und der Journalist Kilian Trotier berichten (siehe BUCHTIPP, „Sinn finden“, Seite 21), vier Elemente herauskristallisiert, die für das Sinnerleben entscheidend sind: Orientierung, Bedeutsamkeit, Kohärenz und Zugehörigkeit. Das besagt, es braucht einen inneren Kompass, Wertschätzung, den Gefühlseindruck, mit sich und dem Umfeld in Kontakt, im Reinen zu sein, den passenden Platz auf dieser Erde und im großen Ganzen.

Sinnquellen gibt es, wie bereits erwähnt, viele. Schnell und Trotier haben eine Top 10 der aktuell größten Sinnstifter aufgelistet: 1. Generativität (etwas von bleibendem Wert tun, schaffen und weitergeben), 2. Religiosität, 3. Bewusstes Erleben, 4. Spiritualität, 5. Harmonie, 6. Fürsorge, 7. Gemeinschaft, 8. Entwicklung, 9. Gesundheit, 10. Soziales Engagement.

Dass Spiritualität im weitesten Sinne (Meditation, Yoga, Trance ...) und die Suche nach Gott für rund 60 % der Bundesbürger  – davon doppelt so viel Frauen wie Männer – ein wesentliches Anliegen ist, bestätigte eine repräsentative Umfrage der GfK Marktforschung bereits im Jahr 2006. Wobei traditionelle Christen mit nur 10 % vertreten waren. Umfrageergebnisse vom Institut für Demoskopie Allensbach aus den Jahren 2001 und 2002 zeigen, dass nur 15 % der Befragten ihre ethischen Verpflichtungen darin sehen, zu tun, was Gott von ihnen erwartet. Wesentlich mehr Bedeutung hat, vor sich selbst bestehen zu können und auf das Gewissen zu hören. Privat möchten die meisten glücklich sein, das Leben genießen (jüngere mehr als ältere), es zu etwas bringen, die Welt kennenlernen. Familie und Freunde haben einen hohen Stellenwert.  Ansehen und Beliebtheit sind wichtig, etwa die Hälfte möchte anderen helfen und sich für eine bessere Gesellschaft einsetzen. Wie sieht es damit aktuell aus? In einer Forsa-Umfrage von 2023 bewertet die Mehrheit das soziale Miteinander in Deutschland als nicht gut. 

In die Zukunft reiten 

Wer in einer, den Alltag belastenden Sinnkrise feststeckt, sollte sich vergegenwärtigen: Sinnkrisen, damit einhergehende Angst und Verunsicherung sind normal und menschlich. Eine kritische Aufarbeitung der unbefriedigenden Situation einläuten, was wichtig ist, um authentisch zu leben. Sich Hilfe holen – in Büchern, auf seriösen Webseiten, bei vertrauten Menschen, in Selbsterfahrungsgruppen, bei Psychologen, Psychotherapeuten, klinischen Angeboten.

Kehrt die Hoffnung zurück, ist das der Anfang einer langen spannenden Reise. Zu sich selbst in der Fülle des stetigen Wandels, geborgen in der Leere des ewigen Urgrunds. 

An einem bestimmten Zeitpunkt haben wir uns besser kennengelernt und verortet, nutzen bewusst das Potenzial von Sinnkrisen und entspannen uns mit der Frage nach dem Sinn. Kommen mal mehr, mal weniger, aber immer öfter im Hier und Jetzt zur Überzeugung: Wir sind eingebunden und getragen, finden uns zurecht, unser Leben ist von Bedeutung, wir tragen Sinnvolles bei, geben es weiter. Und suchen mit wachem Geist und Herzblut Sinn aufs Neue, sollte er verloren gehen oder sich verwandeln, weil unsere Lebenssituation sich verändert, wir uns weiterentwickeln. Wie Ken Wilber es ausdrückt, wenn er dazu ermuntert, den Platz als „ICH-BIN-Einheit“ einzunehmen, „dieses gegenwärtige, völlig offensichtliche Gefühl, du zu sein“, dazu auffordert: „... reite damit in die Zukunft, indem du deine eigenen, einzigartigen, einmaligen Gaben und Talente mitbringst, um daran zu arbeiten, diese Erde in einen strahlenden Himmel der unerhörten Liebe und der närrisch angebotenen Freundlichkeit zu verwandeln“.
 
Bisweilen kann auch ein wenig Unsinn, Spaß und Idealismus nicht schaden: „Was wär‘ die Menschheit ohne Ideale, ihr bliebe statt des Reims die hohle Schale.“ Dada? Schwitters? Jaja.

Es braucht ein neues Bewusstsein

Wer ruft schon aus: „Super, alles geht schief!“ Wir möchten, dass Dinge funktionieren, unser Leben reibungslos verläuft. So wie immer. Höchstens besser, erfolgreicher und schöner. Und dann ... Was, wenn wir eine Krise als Chance nutzen? Wir kommen sowieso nicht drumherum.  Von tg 

Eine Krise kann uns als Einzelne/r, als Gesellschaft oder gar als Weltgemeinschaft treffen. Krise wird vom Duden als „schwierige Lage, Situation, Zeit [die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt]; Schwierigkeit, kritische Situation; Zeit der Gefährdung, des Gefährdetseins“ definiert. Finanzkrise, Umweltkrise, Gesundheitskrise, Klimakatastrophe und jetzt noch die Corona-Pandemie – die Nachrichten konfrontieren uns täglich mit chaotischen, komplexen globalen Zuspitzungen, die uns Angst einjagen. Es wird deutlich, dass es so wie bisher nicht mehr weitergeht. Dass wir unseren Lebensstil überdenken müssen. Und zwar schnell. Also raus aus dem Tunnelblick – es braucht Herz und Verstand und ein neues Bewusstsein, das vielfältige Perspektiven einnimmt, frei von egoistischen Motiven und offen für kreative, nachhaltige Lösungen ist, die förderlich für alle Menschen sind. Denn „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, wie uns Albert Einstein mit seinem berühmten Zitat ans Herz gelegt hat.

 

Unser Leben „im Kleinen“ ist ebenfalls nicht gefeit vor individuellen kritischen Phasen. Plötzliche und unerwartete Ereignisse werfen uns aus der Bahn, erscheinen uns übermächtig, bescheren uns Gefühle der Schuld, Ohnmacht, Einsamkeit, Orientierungs- und Ausweglosigkeit. Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes, die Trennung von einem geliebten Partner, ein unerlöstes Trauma, Burn-out, all das kann Auslöser für eine tief gehende Sinnkrise sein, die nicht durch alte Strategien zu bewältigen ist. Der Ausweg aus der Stagnation ist mit schmerzlichen Prozessen verbunden, die aber Gelegenheit für einen Neubeginn bieten. Professionelle, therapeutische Hilfe ist unterstützend und wichtig, wenn wir in unseren Problemen zu versinken drohen.

 

Bei der spirituellen Suche wird auch von der „dunklen Nacht“ gesprochen, einem Übergangsbereich, in dem plötzlich alles auseinanderbricht, sinnlos erscheint und die Zukunft im Verborgenen liegt. Eine Krise als Chance zu begreifen, ist uns oft erst möglich, wenn wir das Licht am Ende des Tunnels sehen.

 

Eins steht fest: Krisen sind „Transformationsdrehpunkte“. Sie erfordern Mut und Geduld, verlangen nach Neuorientierung und Weiterentwicklung. „Augen zu und durch“ wird jedenfalls in den seltensten Fällen wirklich gut funktionieren. Dass wir eine Krise als Chance genutzt haben, ja nutzen mussten, weil uns nichts anderes übrig blieb, merken wir dann, wenn wir wieder festen Boden unter den Füßen spüren und erkennen, dass wir einen großen Schritt voran getan haben.


Sag "Ja" zum Leben, dann werden aus Krisen Chancen!

Wie der Weg das Ziel ist, so ist auch die Krise eine Chance, ein starker Impuls zur Selbstentwicklung. Ein Problem wird erst dann zu einem Problem, wenn wir beginnen, es als solches zu betrachten.  Von Alexa Förster, HP, Bielefeld

Zwei Menschen teilen eine eher unschöne Erfahrung. Der eine sagt: "Das war furchtbar, kaum auszuhalten, danach ging es mir ganz schlecht und ich konnte nicht schlafen. Pausenlos hatte ich Gedanken zu dem Thema im Kopf. Es hat mich in eine echte Krise gestürzt." Der andere sagt: "Ja, das Erlebte hat mir nicht gefallen, aber ich habe einen lehrreichen Schluss daraus gezogen und ich bin jetzt um eine Erkenntnis und eine Erfahrung reicher. Ich habe erkannt, dass es nicht hilfreich für mich ist, mir ständig Gedanken zu einem Thema zu machen, an dem ich nichts verändern kann. Also lasse ich es so stehen und wende mich anderen, erfreulichen Dingen zu."

 

Sagen wir "Ja" zu unserem Leben, nicht nur den schönen und angenehmen Dingen, sondern auch zu den Krisen, so eröffnen sich neue Horizonte, unvorhersehbare Wege tun sich auf. So darf sich der Weg aus einer Krise oder auch einer Erkrankung heilsam gestalten. Sagen wir allerdings "Nein" zu unseren Problemen, so bleiben wir in einer Sackgasse stecken, in der sich nur schwerlich etwas verändern kann und wird. Wir verharren in Unmut und Leid, sehen keinen Weg aus der Misere, ziehen weitere negative Gedanken an und kreisen in unserem Elend.

 

Wir haben immer die freie Entscheidung, welchen Weg wir wählen, denn wir tragen die Verantwortung für unser Erleben. Wenn es uns nicht möglich scheint, allein einen Weg aus unserer Krise zu finden, so können wir z. B. ein Buch mit hilfreichen Tipps zu Hand nehmen oder Menschen an unsere Seite wählen, die in der Lage sind, das Problem aus einer anderen, "neutralen" Perspektive zu betrachteten, um uns von unserer "Kurzsichtigkeit" zu befreien.

 

Jede Hürde im Leben birgt das Potenzial zu wachen, zu verstehen, zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen – so man sich diesem Prozess stellt und bereit ist "Ja" zu sagen, auch zu Dingen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht so schön und angenehm erscheinen.

 

Sagen wir "Ja" zum Leben und genießen dessen Einzigartigkeit und Schönheit!

 

Seien wir achtsam mit dem, was wir fühlen, und erweitern wir unsere Sichtweisen! Entscheiden wir uns bewusst für ein "Ja" oder ein "Nein" in unserem Leben.


Immer, wenn Du meinst, "es geht nicht mehr" ...

... ist es vollkommen legitim, sich erst einmal hinzusetzen, durchzuatmen und dann den Mut zu haben, sich an jemanden zu wenden, der sich damit auskennt. Denn: Eine Krise kann eine Chance sein.  Von Kristina König, HP , Bielefeld

Der Körper spricht seine eigene Sprache, für die der Geist erst Worte finden muss, und das benötigt Zeit und Einkehr.

 

Ist es nicht am schwersten, zu sich selbst zu finden … sich selbst zu finden, nachdem man nicht einmal weiß, wo man am besten suchen soll?

 

Einkehr – gerade jetzt in den dunklen Monaten haben wir Zeit zur Einkehr. Das geschäftige Leben darf langsamer werden. Ich darf mich meinen "Zipperlein" widmen und fühlen, woher sie kommen. Ich darf mich bei Kerzenschein in mein gemütlichstes Zimmer setzen und in mich hineinfühlen, um mich zu verstehen.

 

Mag es der Zweifel an meiner Gesundheit sein oder vielleicht sogar eine Diagnose, die ich erst einmal „verdauen“ muss. Alles hat Zeit – seine Zeit.

 

Krisen sind dazu da, sich neu zu orientieren oder sogar einen vollkommenen Neuanfang zu starten. Das sehen wir besonders bei schweren Erkrankungen, die ja zuerst erst einmal nur schwere Diagnosen sind. Da steht die Frage an: Bin ich die Diagnose oder ist es nur das Resümee aller Beschwerden, die ich beklagt habe? Kann ich vielleicht, wenn ich es mir richtig überlege, einen Teil der Klagen schon als so gering einstufen, dass ich mich erst einmal mit den wirklich großen Dingen beschäftigen kann?

 

Die Erkenntnis: ich bin nicht meine Krankheit, sondern ich habe Symptome – ist der erste Schritt, Prioritäten zu setzen. Lassen Sie sich nicht durch schwierige Situationen oder Diagnosen unterkriegen. Sie sind der Meister Ihrer Seele und Ihres Körpers. Erfragen Sie Hilfe bei Menschen, die sich mit Problemen und Diagnosen wie Ihren auskennen, aber geben Sie sich nicht Ihrem Leiden hin.

 

Krisen gleichen alten lauten Weckern: Wachen Sie auf und ändern Sie das, was Sie in die Situation gebracht hat. Da fällt mir ein Lied von Rio Reiser (bzw. Ton Steine Scherben) ein: "Macht kaputt, was euch kaputt macht ..." Das ist etwas schlicht und pathetisch, trifft aber den Nagel auf den Kopf.

 

Ändern sie etwas: Haben Sie Ischias, überlegen Sie, ob Sie (Mann) vielleicht die Geldbörse in der Gesäßtasche mit sich herumtragen oder stellen Sie sich die Frage: Was kann ich nicht mehr tragen und was lässt mich erstarren. Sind Sie genervt, weil Sie tagtäglich mit den gleichen Problemen konfrontiert werden? Sagen Sie denen, die Sie nerven, sie sollen etwas ändern. Aber als Erstes: Ändern Sie sich.

 

Seit 40 Jahren habe ich den Spruch "Nichts ändert sich – außer Du änderst Dich" an meinem Schuhschrank kleben und, glauben Sie mir, auch nach dieser langen Zeit, ist er mehrfach im Jahr ganz wichtig für mich.

 

Krisen sind Geschenke. Ver-zwei-flung entsteht, weil man sich nicht ein-ig ist. Zwei-fel hat man nur, wenn man sich nicht zwischen dem einen und dem anderen (zweiten) entscheidet.

 

Lernen Sie, sich zu entscheiden – immer wieder aufs Neue. Jede Minute im Leben ist eine Entscheidung zu leben, machen Sie sich das einmal bewusst. Dann können Sie sich für jede Krise bedanken, weil sie Sie wieder einen Schritt weiter gebracht hat.

Krise als Chance, das sagt sich so leicht

Aber stimmt das auch ...? Ich möchte mit etwas Persönlichem beginnen. Mit dem "Dreschboden des Lebens". Zu den größeren Lebenskrisen zählt die Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung eines Kindes.  Von Antje Uffmann, HP (Psych.), Bielefeld

Mit großer Dankbarkeit blicke ich auf die zahlreichen Wachstumsimpulse, die uns der Herzfehler unseres Sohnes in den letzten 20 Jahren beschert hat.

 

Wirklich. Wenn eine gute Fee käme und ich was wünschen könnte – ja, ich wünschte ihm immer und immer wieder ein gesundes Herz! Und doch weiß ich, dass ich nicht da wäre, wo ich jetzt bin, ohne diese Kriseninitiation: Immens gereift und oft in Liebe, geübt darin, das zu akzeptieren, was inakzeptabel ist, gewaschen von Mitgefühl, immer mal wieder getaucht in Präsenz und demütig vor dem, was größer ist, dem Leben selbst.

 

Das ist die Sonnenseite der Angelegenheit.

 

Krise als Chance stimmt also. Aber es ist nicht alles. Khalil Gibran spricht in einem Gedicht  über den "Dreschboden der Liebe". Ja – auch das gehört zur Krise: Wir werden gedroschen vom Leben selbst. Verkloppt. Und das tut weh. Es ist nicht fair. Wund, aufgeknackt, in Angst und mit blankliegenden Nerven, ohne eine Ahnung zu haben,wie es weitergehen soll.

 

Egal, was es ist – Krankheit oder Liebesleid, Verluste, Lebensumbrüche –, dies ist der gefährliche Moment, wo wir eine Chance brauchen, um zu wachsen. Das Leben in uns ist diese Chance! Krisen zu bewältigen ist der Urantrieb der Evolution. Etwas in uns möchte reifen und wachsen. Das ist unsere Natur. Das haben auch alle unsere Vorfahren irgendwie geschafft.

 

Das ist so, wohin wir auch schauen. Für das Samenkorn ist es eine Krise, wenn die Schale bricht. Jede Zellteilung, jede Geburt: Krise! Krise ist, wenn wir erkennen, dass wir bei den Lebenstatsachen gerade nichts kontrollieren oder verändern können. Und dann ergreifen wir die einzige Chance – und verändern etwas in uns selbst. Wir wachsen. Wir reifen.

 

Es ist mir eine große Freude, dass ich Menschen dabei unterstützen kann. Meine eigene Erfahrung gibt mir dafür einen großen Resonanzraum.

 

Deswegen sind die "wounded healer" so hilfreich. Initiiert, aufgebrochen und gereift, wissend um die Dunkelheit und Tiefe, können wir ein wichtiges Ferment einstreuen. Was das ist? Ha! Das Ferment ist die Realität unserer Erfahrung, dass es funktioniert! Es stimmt! Krisen wandeln. Wir wachsen!

 

Was für ein Glück! Und so kostbar ist ein jeder, der mit einem Hauch dieser Realität anderen begegnet! Also – lassen wir uns dreschen und wandeln! Die Menschheit braucht dringend dieses Ferment!