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Hörbuch


Swann, Leonie: Gray

Humor

Von tg

 

"Er wollte mit Sybil ins Kino und dann vielleicht ein Bier trinken gehen oder einen Gin Tonic. Er wollte in Ruhe in der Bilbliothek sitzen und an seiner Abhandlung arbeiten. Er wollte College Dinner und Diskussionsgruppen. Nichts davon ging mit Papagei!"

Dr. Augustus Huff, Dozent an der Universität von Cambridge, schlägt sich mit diversen Neurosen durchs Leben und hat – seit dem dramatischen Tod des Studenten Elliot, eines "kalten Schnösels" und berüchtigten Fassadenkletterers, den er als Tutor betreute – einen Vogel. Ist nun offizieller temporärer Halter und Trainer des afrikanischen Graupapageis Gray, der ihm nicht mehr von der Schulter weicht und fortan Huffs pedantisch geordneten Alltag gehörig auf den Kopf stellt. "Stinker!", "Nimm ne Nuss!", "Total zermatscht!" und "Psychologische Probleme" gehören zu Grays Standardvokabeln, die der gelehrige und vorlaute Vogel mit der Stimme seines Vorbesitzers, dem vom Kirchturm gestürzten Elliot, in den unmöglichsten Situationen zum Besten gibt. Aber auch der Begriff "Mörder" findet sich in seinem Wortschatz, und nicht allein diese Tatsache veranlasst Augustus, den Sherlock Holmes zu spielen. Schon bald sind Dozent und Papagei ein eingeschworenes Team und in luftiger Höhe einem kaltblütigen Mörder auf der Spur ...

Die Autorin der Schafskrimis "Glennkill" und "Garou" macht in diesem witzigen, spannenden und intelligenten Krimi wieder ein Tier zur Hauptfigur – und wird mit "Gray" sicherlich viele Leserinnen und Leser begeistern.

"Gray" von Leonie Swann, Goldmann Verlag, 415 Seiten.

Thorogood, Robert: Mord im Paradies

Humor

Von tg

 

"Er begann, das Gebäude zu umrunden. Es handelte sich um einen großen rechteckigen Kasten mit Wänden aus dickem cremefarbenem Papier. Auch das Dach bestand aus dickem cremefarbenem Papier. Das im Inneren gefangene Licht ließ das ganze Ding erstrahlen. Eigentlich sah es aus, als wäre mitten auf dem Rasen ein würfelförmiges Raumschiff gelandet."

Richard Poole, gegen seinen Willen auf die karibische Insel Saint-Marie versetzter Detective Inspector mit Sandphobie, diversen Schrullen und Schwierigkeiten im Umgang mit seinen lässigen örtlichen Kollegen, hasst die Tropen, die mörderische Hitze, das scharfe Essen, die Baracke, in der er gemeinsam mit Gecko Harry haust – und, dass nirgendwo ein anständiges Bier zu bekommen ist.

Wenn es allerdings gilt, einen Fall aufzuklären, fühlt sich der steife, ständig einen Tweedanzug tragende Brite in seinem Element. Aslan Kennedy, von allen hochgeschätzter Guru, wird nach der täglichen Tiefenentspannung tot im als Meditationsraum dienenden Teehaus aufgefunden. Als Täter kommen – eigentlich – nur fünf Gäste des spirituellen Urlaubsresorts "The Retreat" infrage, die sich während der Tat im von innen verriegelten Teehaus befanden.

Mit einer Akribie à la Miss Marple macht sich Poole ans Werk. Doch seine polizeilichen Nachforschungen gestalten sich als äußerst schwierig, denn irgendwie passt nichts so richtig zusammen. Stück für Stück begleitet der Leser voller Erwartung den mit seiner Verunsicherung ringenden Ermittler von einer falschen Fährte zur anderen. Am Ende kommt es – natürlich – ganz anders als erwartet ...

Der sich auf der großartigen BBC-Serie "Death in Paradise" gründende Roman ist von Anfang bis Ende spannend, unterhaltsam und witzig. Einen deplatzierten, etwas neurotischen und originellen Detective Inspector wie Richard Poole muss man einfach sympathisch finden. Es bleibt zu hoffen, dass "Mord im Paradies" bald eine Fortsetzung findet.

"Mord im Paradies" von Robert Thorogood, Rowohlt Taschenbuch-Verlag, 383 Seiten.

Freeman, Castle: Männer mit Erfahrung

Spannung

Von tg

 

„Sie saßen im Büro und redeten – oder auch nicht. Sie sahen sich in dem kleinen Fernseher, den Whizzer aufgestellt hatte, Spiele an. Wenn Bier zur Hand war, tranken sie es. Die Zeit verging.“

 

Ein kleines, gottverlassenes Kaff in Vermont. Lillian, eine junge Frau, fühlt sich beobachtet und bedroht. Der zwielichte und gefürchtete Blackway hat es auf sie abgesehen.

 

Grund genug, sich aus dem Staub zu machen. Doch Lillian lässt sich nicht einschüchtern, sie bittet Sheriff Wingate um Schutz. Der aber beruft sich auf Recht und Gesetz, sieht sich außerstande, ihr zu helfen: „Für etwas, das er vorhat, kann ich ihn nicht festnehmen“. Wingate schickt sie zu Whizzer, der nach seiner „Begegnung“ mit einem fallenden Baum im Rollstuhl sitzt und in einer ehemaligen, heruntergekommenen Stuhlfabrik ein Sägewerk betreibt.  Sein Büro ist eine Art Klub, ein Treffpunkt für „Männer mit Erfahrung“. „Was für ein Haufen Clowns“, denkt sich Lillian. Immerhin stellt Whizzer ihr den einfältigen Hünen „Nate the Great“ und den betagten, mit allen Wassern gewaschenen und hinkenden Lester Speed zur Seite. Während in Whizzers Büro eine Handvoll alter Haudegen „philosophiert“, über alte Zeiten im Allgemeinen und die Geschichte mit Blackway im Speziellen, macht sich Lillian mit ihren beiden Begleitern auf den Weg, um die Sache zu klären. Gibt es einen Plan? Schwer zu sagen. Aber der Verlauf der Dinge scheint unvermeidlich: „Sie mussten es durchziehn“. In einem riesigen verlassenen Waldgebiet, den „Lost Towns“, kommt es zum Showdown mit Blackway.

 

Ein witziger, rauher, teilweise harter Roman, in dem trotz vieler Dialoge wenig Worte verloren werden. Gut geschrieben und spannend bis zum Schluss.

 

„Männer mit Erfahrung“ von Castle Freeman, dtv Verlag, 173 Seiten.



Ferber, Marlies: Truthahn, Mord und Christmas Pudding

Humor

Von tg

 

"In Sheilas Gesellschaft war es selten ruhig. Sie war wie ein Sturm, der über einen hinwegfegte, oder zumindest eine sehr frische Brise. Er besuchte sie gern in ihrem Haus: Dort konnte er selbst bestimmen, wie lange er blieb."

Nun, der Titel lässt auf seichte Unterhaltung schließen, und einen 70-jährigen Exagenten 0070 zu nennen, ist das originell ...? Doch wie bei einem Kriminalfall trügt häufig der erste Schein, und es kommt tatsächlich vor, dass die Verpackung weniger verspricht als der Inhalt zu bieten hat. Kurz und gut: Dieser Roman kann positiv überraschen – guter Schreibstil, kurzweilige Geschichte, englischer Humor und ein paar ernste Töne.

Worum geht es im vierten Fall von James "Null-Null-Siebzig" Gerald und seiner Gefährtin Sheila Humphrey? Sheilas Freundin Rosalind fällt einem Verbrechen zum Opfer. James wird bald klar, dass der Täter eigentlich Sheila im Visier hat. Doch die will vorerst nichts davon wissen und beherbergt obendrein einen alten Schulfreund mit zweifelhafter Vergangenheit. Was James nicht nur hellhörig, sondern auch extrem eifersüchtig macht.

 

Bei einem Theaterprojekt, das zu Weihnachten gemeinsam von Amateuren und ehemaligen Häftlingen aufgeführt wird, spitzen sich die Ereignisse zu. James entdeckt auf der Bühne sein Schauspieltalent und ergreift ungewöhnliche Maßnahmen ...

"Truthahn, Mord und Christmas Pudding" von Marlies Ferber, Krimi, dtv, 320 Seiten.

Frenzel, Claudia: Brennender Zorn

Spannung

Von tg

 

"Von der Straßenseite aus betrachtet, lag auf dem Anwesen der Schleier romantischen Verfalls, nicht mehr Zivilisation, aber noch nicht wieder Natur. Erst die Rückseite, die um diese Tageszeit im kühlen Schatten lag, offenbarte, weshalb das Haus die Geistervilla genannt wurde."

Ein Jahr nachdem Hauptkommissar Hanno Kaltwasser seinem damaligen Vorgesetzten in München "Waffe, Marke und Ausweis auf den Schreibtisch legen musste", betritt er widerwillig seine neue – und altbekannte – Berliner Wohnung. Und kaum angekommen, wird er bereits zu einem Fall beordert. Auf den ersten Blick scheint alles eindeutig zu sein, doch Kaltwasser stören einige Details und so macht er sich, unterstützt von der spröden und wortkargen Kollegin Janisch, hartnäckig an die Ermittlungen. Dabei dreht sich alles um eine alte, heruntergekommene Villa, ein tragisches Feuer und eine komplizierte Familiengeschichte.

"Brennender Zorn", der erste Band einer neuen Krimireihe, kann mit interessanten Charakteren und vielschichtiger Story, die bis zum Schluss spannend bleibt, überzeugen. Hanno Kaltwasser ist ein sympathischer Ermittler, ein "Sprachprofiler" mit Ecken und Kanten, mit Schwächen und Zweifeln, den die Schatten der Vergangenheit immer wieder einholen.

Ein gelungenes Debüt.

"Brennender Zorn" von Claudia Frenzel, dtv Verlag, 415 Seiten.

Green, Graham: Der dritte Mann

Klassiker

Von tg

 

"Wenn Sie diese seltsame, ziemlich traurige Geschichte verstehen wollen, müssen Sie wenigstens einen Eindruck vom Hintergrund bekommen – von der zerstörten, trostlosen Stadt Wien, die von den vier Siegermächten in Zonen aufgeteilt worden war; die russische, die britische, die amerikanische und die französische Zone."

Rollo Martins, Verfasser von billigen Westernromanen, reist ins besetzte, winterliche Wien der Nachkriegszeit, um seinen alten Schulfreund Harry Lime zu treffen. Bei seiner Ankunft wird dieser allerdings gerade zu Grabe getragen. Offizier Calloway von Scotland Yard konfrontiert Martins damit, dass Lime "so ziemlich der übelste Schieber" war, der "in dieser Stadt je seine schmutzigen Geschäfte gemacht hat" – verdünntes Penicillin, das vielen Kindern das Leben gekostet hat. Martins ist von Limes Unschuld überzeugt und macht sich daran, die Umstände von dessen vermeintlichen Tod aufzuklären. Dabei spielen Limes Geliebte Anna und ein mysteriöser dritter Mann undurchsichtige Rollen ...

Mit Orson Welles und Joseph Cotten in den Hauptrollen schuf Regisseur Carol Reed mit "Der dritte Mann" einen zeitlosen Schwarzweiß-Thriller nach dem Drehbuch von Graham Greene. Legendär sind die Fahrt im Riesenrad, die Verfolgungsjagd durch die Kanalisation und das von Anton Karas auf der Zither gespielte Harry-Lime-Thema.

Nicolaus Stingel hat das Buch 66 Jahre nach dem Kinostart des Films neu übersetzt. Das Ergebnis kann absolut überzeugen, trifft wunderbar den Ton der düster-melancholischen Story, denn wie Greene im Vorwort erklärt, stellt für den Autor "sein Roman natürlich das Beste dar, was er zu einem bestimmten Thema zu leisten vermag". Wenn er auch hinzufügt: "Der Film ist sogar besser als die Erzählung, weil es sich in diesem Fall um die Endfassung der Erzählung handelt ...".

"Der dritte Mann von Graham Greene", Zsolnay Verlag, 159 Seiten.