ücher Neuerscheinungen

Sachbuch

       Ernährung

       Fotografie

       Frau

       Gesundheit

       Integraler Ansatz

       Interview

       Ken Wilber 

       Kinder    

       Märchen

       Ratgeber

Roman

       Krimi

       Thriller
Hörbuch


Evers, Horst: Zu faul zum Nichtstun

Humor

Von tg

 

„Irgendwann wurde es plötzlich dunkel. Also draußen, vor dem Café. Auf dieses unerwartete Ereignis hatte mich eigentlich keine meiner fünf Wetter-Apps ausreichend vorbereitet.“


Der Ruhrpott-Kabarettist Uwe Lyko alias Herbert Knebel spricht mit seinem  kultverdächtigen Motto „Im Liegen geht’s“ so manchem aus der Seele. Wahlberliner Horst Evers, ebenfalls Kabarettist, kommt nun mit einem ähnlich inspirierenden Slogan daher: „Zu faul zum Nichtstun“. Und so heißt in seinem neuen Buch auch eine von 34 „Geschichten“, in denen er die Tücken des Alltags verarbeitet. Beispiel: Eine Benachrichtigungskarte der Post macht ihm bewusst, dass er gar nicht zu Hause gewesen ist – was ihm bislang nicht aufgefallen war, denn er hatte den ganzen Tag still zu Hause „gearbeitet“. Die Abholung des Pakets beim drei U-Bahn-Stationen entfernt wohnenden „Nachbarn“ entwickelt sich dann zu einer kleinen Odyssee.
Ein kurzweiliges Lesevergnügen mit hintergründigem, trockenem Humor.


„Zu faul zum Nichtstun – Geschichten“ von Horst Evers, Rowohlt Verlag, 224 Seiten, € 22,-.

Fricke, Lucy: Das Fest

Sinnsuche

Von tg

 

„Als wir vor Monaten erstmals über diesen Tag gesprochen hatten, war offensichtlich geworden, dass die Fünzig für Jakob ein Abgrund war. Der Gedanke, ein ganz und gar mittelmäßiges Leben geführt zu haben, nichts erreicht, nichts vollbracht, nichts hinterlassen, ein Leben ohne Spuren. Kein Haus, kein Kind, kein Baum."


Mit fünfzig ist endgültig alles dem Untergang geweiht, meint Jakob und ergibt sich in sein Schicksal. Aus und vorbei mit Zielen, Wünschen und Träumen – er will einfach nur noch seine Ruhe haben. Den Geburtstag feiern? Kommt gar nicht in Frage. Doch hat er die Rechnung ohne seine alte Freundin Ellen gemacht, die ihm eine Badehose schenkt und es tatsächlich schafft, ihn aus dem Haus zu bewegen. Ins Freibad, in dem er vor einer gefühlten Ewigkeit jeden Morgen seine Bahnen gezogen hat. Kurz nach der Trennung von Inken, die er – welch Zufall! – im Schwimmerbecken trifft. Inken wird nicht die einzige Gratulantin aus Jakobs Vergangenheit bleiben. Sein ehemaliger Mitbewohner Georg will ins selbe Taxi steigen. Im Kino begegnet ihm Anne, die Frau, „die ihn gerettet hatte“, als er sechzehn war. Und im Restaurant wird er von „seiner“ Neela aus dem Kindergarten bedient, von der er mit sechs Jahren getrennt wurde. Ein denkwürdiger Geburtstag nimmt seinen Lauf.


Als dann doch das „Fest“ stattfindet, ist Jakob äußerlich ein „geschundener Mann“, aber bester Laune. Und humpelt schließlich mit der „Puppenspielerin im Dunkeln“, der „Göttin im Bühnenhimmel“, die alles arrangiert hat, Hand in Hand durch den Sturm.


Eine ruhig erzählte, melancholisch-beschwingte Geschichte, von einem, der seine Sinnkrise überwindet, indem er Frieden mit der Vergangenheit schließt und zu der Erkenntnis gelangt, dass das Beste vielleicht noch vor ihm liegt.

 
„Das Fest“ von Lucy Fricke, Claassen Verlag, 140 Seiten
.

 

Harvey, Samantha: Umlaufbahnen

Weltraumpoesie

Von tg

 

„Sie fühlt sich sprachlos. Sprachlos angesichts der Tatsache, dass ihre Lieben sich dort unten auf dieser imposanten, prächtigen Kugel befinden, als hätte sie gerade erst entdeckt, dass sie die ganze Zeit schon im Palast eines Königs oder einer Königin leben.“


Ab und zu sollten die Dinge mit etwas Abstand betracht werden, will man/frau größere Zusammenhänge erkennen und alles neu einordnen. Oder – mit noch mehr Abstand – einfach nur ergriffen sein. So wie William Anders, der 1968 das legendäre Foto „Earthrise“ von Apollo 8 zu seinem Mutterplaneten sendete, mit den Worten: „Oh, mein Gott! Seht euch dieses Bild da an! Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“ Oder so, wie die Protagonisten dieses außergewöhnlichen Romans, zwei Astronautinnen und vier Astronauten aus unterschiedlichen Nationen, die auf „Umlaufbahnen“ sechzehnmal in 24 Stunden die Erde umkreisen. Schwerelos, einsam und gleichzeitig einander nah, beobachten sie den Blauen Planeten, wie er schläft und wie er wacht. Im „leuchtenden, energiegeladenen Schwarz des Weltraums, das ihre Sinne überwältigt“. Und alle neunzig Minuten ertönt der „Peitschenknall eines neuen Morgens“. Sie erledigen ihre Aufgaben an Bord, träumen, denken an Daheim, an die Zukunft der Menscheit,  „das Herz ausgehöhlt vor Verlangen, nur dass es keine Leere ist, sondern eher das Wissen darum, wie viel hineinpasst“.


Ein mit dem Booker Price ausgezeichnetes philosophisches Weltraumabenteuer ohne Dramatik, ohne Anfang und Ende, federleicht und tiefgründig. Ein staunender, entrückter Blick auf Trennendes und Vereinendes, auf Schönheit, Vergänglichkeit und Ewigkeit, der Zeit entrückt: „Die Vergangenheit bricht an, die Zukunft, die Vergangenheit, die Zukunft. Immer ist jetzt, nie ist jetzt“. 


„Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey, dtv Verlag, 224 Seiten.

 



Dicker, Joël: Ein ungezähmtes Tier

Spannung

Von tg

 

„Da sah er im Schaufenster der Cartier-Boutique einen Ring in Form eines Pantherkopfes, ganz aus Gold und mit Diamanten besetzt, die Augen zwei kleine Smaragde. ... Der Panther – das war sie. Ohne zu zögern, betrat er den Laden. Er konnte ja nicht ahnen, welche Konsequenzen seine Entdeckung haben sollte.“

Der Bankangestellte Arpad und die Anwältin Sophie sind ein Traumpaar mit zwei zauberhaften Kindern und einem luxoriösen, modernen „Glashaus“, umgeben von Wald. Ihr „kleines, verborgenes, vor Blicken geschützes Paradies“ liegt in einem prächtigen Genfer Vorort. Der Polizeibeamte Greg und seine Frau Karine, Verkäuferin in einer Boutique, leben ganz in der Nähe mit ihren Kindern in einer Mittelklasse-Wohnanlage, die zwischen den Millionärsanwesen als Schandfleck gilt und „die Warze“ genannt wird.

 

Die beiden ungleichen Paare freunden sich an. Karine ist sofort bezaubert. Und Greg fasziniert, vor allem von Sophie, die etwas Animalisches ausstrahlt und das Tattoo eines Panthers auf ihrem Oberschenkel trägt. Doch diese Begegnung ist „in Wahrheit eine Kollision. Ein Frontalzusammenstoß“, dessen Ausmaß zunächst niemand ahnt. Vor Sophies vierzigsten Geburtstag taucht plötzlich ein geheimnisvoller Mann auf. Kurz darauf sorgt „ein spektakulärer Raubüberfall in Genf für große Aufregung“, in den die Protagonisten auf unterschiedliche Weise verstrickt sind. 


Nach und nach werden in dieser intelligenten, unterhaltsamen Geschichte die Träume, Begierden, Ängste, Lügen und Abgründe der Akteure aufgedeckt. Geschickt verwebt Joël Dicker die einzelnen Erzählstränge miteinander, lässt die Geschehnisse durch Arpads und Sophies Vergangenheit transparenter werden und steigert bis zum Schluss die Spannung. Und wenn gerade alle Verwicklungen gelöst scheinen, wartet der Autor mit einer überraschenden Wendung auf. Lesenswert!


„Ein ungezähmtes Tier“ von Joël Dicker, Piper Verlag, 426 Seiten, € 26,-.

 

 

Jacka, Benedict: Haus Ashford – Magie verpflichtet

Urban Fantasy

Von tg

 

„Die ganze Zeit über hatte ich die Ashfords und dieses Haus in Hampstead im Hinterkopf. Wenigstens einmal die Woche dachte ich daran, zurückzugehen, und jedes Mal entschied ich mich dagegen. Ich war nicht bereit. Noch nicht.“

 

Was macht ein junger Mann wie Stephen Oakwood, der ein kleines Zimmer in einem Londoner Reihenhaus bewohnt? Das, was andere Zwanzigjährige auch tun: Er jobbt als Zeitarbeiter, trifft sich im Pub mit seinen Freunden, kümmert sich um seinen Kater Hobbes, ist finanziell notorisch klamm und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Was ihn von anderen unterscheidet: Stephen übt sich in Drucraft, der geheimnisvollen magischen Fähigkeit, mit „Essentia“, einer Art universeller Energie, zu arbeiten. Als er achtzehn war, ist sein Dad spurlos verschwunden, seine Mum hat er nie kennengelernt. Beide möchte er finden, und weitere Angehörige hat er nicht. Dachte er, bis plötzlich seine Cousine Lucella auftaucht. Womit seine Schwierigkeiten erst recht beginnen. Denn Lucella ist nicht die Einzige aus dem Haus Ashford, einer mächtigen Magierfamilie, die Intrigen spinnt und Stephen als potenziellen Konkurrenten sieht, den sie ausschalten möchte. Stephen bleibt nicht anderes übrig, als seine magische Begabung zu verfeinern, um es mit der einflussreichen und skrupellosen Verwandtschaft aufzunehmen.


„Das vorliegende Buch dient der Einführung ins Setting“, erklärt der Autor, der mit Alex Verus  bereits einen magischen Serienhelden geschaffen hat, zum Auftakt seiner neuen Urban-Fantasy-Serie. Und so endet Band 1 von „Haus Ashford“ natürlich mit einem Cliffhanger. Man/frau darf gespannt sein auf die angekündigte Fortsetzung „Magisches Erbe“. 


„Haus Ashford – Magie verpflichtet“ von Benedict Jacka, Blanvalet Verlag, 432  Seiten, € 17,-.

Bradley, Kaliane: Das Ministerium der Zeit

Fantasy

Von tg

 

„Er hatte grün-braune Augen, dichte dunkle Locken und eine stattliche Nase. Er war siebenunddreißig Jahre alt, und das seit fast zweihundert Jahren.“

 

Eine junge Engländerin mit kambodschanischen Wurzeln nimmt mit Freude ihre neue Stelle – Top-Secret- und High-Interest-Status – der britischen Regierung an. Sie soll „Brücke“ für einen von fünf Expats sein, „Individuen aus historischen Kriegsgebieten, Naturkatastrophen und Epedemien“, die „in ihrer Zeit sowieso gestorben“ wären. Kurzum: Es handelt sich um ein Experiment mit Zeitreisenden aus der Vergangenheit. Da niemand weiß, wie sie auf den Sprung durch die Jahrhunderte ins moderne, hektische London reagieren, müssen die Expats rund um die Uhr begleitet und vorsichtig an ihr neues Leben herangeführt werden.

Die junge Frau bekommt Graham Gore aus dem 19. Jahrhundert zugeteilt, einen ehemaligen Polarforscher und Commander der Navy, mit dem sie für ein Jahr zusammenwohnen soll. Graham ist ein „Anachronismus, ein Rätsel, eine Frechheit, ein Problem“. Aber vor allem ein charmanter Mann, der die Gefühle seiner „Brücke“ ordentlich durcheinanderwirbelt: „Er hatte immer in mir gelebt, Jahre, bevor ich ihm begegnet war. Ich war darauf abgerichtet, ihn zu lieben.“
Graham und die anderen Expats gewöhnen sich gut an die neue Umgebung, bestehen ihre Tests und dürfen ihren Aktionsradius vergrößern. Dann fallen Schüsse. Ein Maulwurf im Ministerium und Zeitreisende aus dem 22. Jahrhundert, die nichts Gutes im Schilde führen, funken dazwischen. „Hierheit“ und „Dortheit“ verschwimmen, und alte Gewissheiten lösen sich im Strudel der Ereignisse auf.

Fantasievolle, spannende Geschichte mit unerwarteten Wendungen, dystopischen Anklängen und feinem britischen Humor. Origineller, lebendiger Stil – ein großartiger Debütroman!

 

„Das Ministerium der Zeit“ von Kaliane Bradley Penguin Verlag, 384 Seiten.



Sanderson, Brandon: Yumi and the Nightmare Painter

Fantasy

Von tg

 

„Die unmittelbare Wirkung war diese überwältigende Wärme, die sich wie eine Welle in ihrem Körper ausbreitete – ein kribbelnder Schauer, der sie erfasste wie die thermalen Strömungen eine Blume. Dann das Verschwimmen des Selbst, die Verbindung zu ihm.“


Yumi ist eine Yoki-Hijo, eine dienende Auserwählte des Königreichs von Torio. Sie erfüllt ihre heilige und wichtige Pflicht mit einer „unerbittlichen Konditionierung auf Ernsthaftigkeit“ und Bescheidenheit, ohne Freude und Individualität. Meditiert, betet, stapelt Steine übereinander und beschwört so den Segen der Geister.

 

Nikaro, „Maler“ genannt, patrouilliert als einsamer Jäger durch die leeren Gassen der von einem Schleier umgebenden Stadt Kilahito, für deren Sicherheit er zuständig ist. Er bannt Albträume, randalierende halbbewusste, formlose Wesen der Dunkelheit, mit kunstvollen Bambus-Zeichnungen auf Leinwände.
Eines Tages, als Maler mit voller Wucht von etwas getroffenen wird, was vom Himmel fällt, erwacht er aus einem tiefen Schlaf und stellt überrascht fest, dass er sich in einem fremden, unfassbar hellen Raum befindet. Neben sich ein körperloses Mädchen in einem Nachthemd, das mit seinem identisch ist. Maler wähnt sich in einem Traum, das Mädchen – Yumi – hält ihn für einen Geist, einen Helden. Nachdem beide den ersten Schreck überwunden haben, stellen Sie fest, dass Maler von Yumis Dienerinnen als Yumi wahrgenommen wird, während die für sie unsichtbar ist. Nach einem aufregenden Tag schläft Yumi ein, erwacht in Nikaros Zimmer, und das seltsame Phänomen wiederholt sich, mit (nahezu) umgekehrten Rollen (denn Yumi behält ihren eigenen Körper) – Nacht für Nacht.

 

Yumi und Maler müssen sich zusammenraufen und herausfinden, was mit ihnen passiert ist, sie miteinander verbindet – denn es droht große Gefahr. Stammen sie von unterschiedlichen Planeten? Haben die Geister ihnen eine besondere Aufgabe zugedacht? Hat es etwas mit dem wolfsartigen Albtraum oder der Maschine der Gelehrten zu tun?


Eine ruhige, fantastische, von Mangas inspirierte Geschichte über Mut, Freundschaft und romantische Liebe, in der zwei unterschiedliche junge Menschen zu sich selbst und zueinander finden. Kommentiert vom „Kleiderständer“ eines Nudelrestaurants.

 

„Yumi and the Nightmare Painter“ von Brandon Sanderson, mit Illustrationen von Aliya Chen, Knaur Verlag, 480 Seiten, € 26,-.

 

Sanderson, Brandon: Handbuch für den genügsamen Zauberer

Science Fiction

Von tg

 

„Das alles war völlig bizarr. War ich Teil eines lächerlichen Gesellschafts-Experiments? Einer Reality-TV-Spielshow?“


Wer beim Meditieren in die Leere eintaucht, hat einen hohen Bewusstseinszustand erreicht. Wer auf einem Acker aufwacht, umgeben von verkohlten Grashalmen und schwelender Asche, und nach Hinweisen sucht, wo er sich befindet und wer er eigentlich ist und dabei nur auf innere Leere, wie in einem weißen Zimmer, trifft, hat ein Problem, bzw. gleich eine Menge davon.


Bis John „Johnny“ West sich nach vagen Spekulationen seines Namens, seiner Herkunft und des Ernstes seiner Lage bewusst wird, ist er bereits mitten in einer abenteuerlichen Geschichte. Hilfreich beim Schließen von Gedächtnislücken und unabdingbar für sein „Überleben im mittelalterlichen England“ ist das „Handbuch für den genügsamen Zauberer“. Das ihm allerdings nur unvollständig und im angesengten Zustand zur Verfügung steht. Doch zum Glück findet Johnny neue Freunde – denen er um Jahrhunderte voraus ist. Zu seiner Verwunderung begegnet er auch alten Freunden. Und Feinden.


Johnnys Selbstfindung wird ein Auf und Ab, ein sonderbarer Trip voller Gefahren und Selbstzweifeln: Ist er ein Versager, Betrüger, Spezialist in Ahnungslosigkeit, der stolze Besitzer eines Null-von-fünf-Sternen-Lebens oder ein Zauberass, heldenhafter Ermittler, Kämpfer mit magischen Fähigkeiten?

 

Wie dem auch sei – er muss sich den Schatten seiner Vergangenheit stellen und im Hier und Jetzt beweisen, was in ihm steckt. Schließlich geht es ganz nebenbei auch noch darum, eine Welt zu retten und das Herz einer Frau zu gewinnen.


Eine unterhaltsame, witzige Zeit- und Dimensionsreise. Intelligente Science Fiction mit Fantasy-Flair im mittelalterlichen Gewand. 

 
„Handbuch für den genügsamen Zauberer – Überleben im mittelalterlichen England“ von Brandon Sanderson, illustriert von Steve Argyle, Piper Verlag, 432 Seiten, € 25,-.

Reinecke, Anne: Hinter den Mauern der Ozean

Dystopie

Von tg

 

„Es gibt keinen Anfang. Es gibt kein Ende. Wir sind die Ewigen. Es gab uns immer. Es wird uns immer geben.“


Berlin irgendwann in der Zukunft. In der zerstörten Stadt – hinter riesigen Mauern, dahinter nur Wasser, der Ozean – leben fünf Menschen: Friedrich, Wilhelm, Alexander, Else und Lola, die jüngste von ihnen. Sie lieben sich, sie können nicht anders. Sie sind schön, natürlich, perfekt, die Einzigen, die in der Festung Berlin bleiben dürfen, die Glücklichen, die Ewigen. Und doch sterblich. Wenn die Zeit gekommen ist, „entschwindet“ eine/r von ihnen. Denn es kommt ein neuer Friedrich, Wilhelm, Alexander, eine neue Else oder Lola – als Kind, im Sommer, mit den Schiffen, den Fremden, die die „Alte Welt“ sehen wollen.


Friedrichs Zeit neigt sich dem Ende. Er will nicht entschwinden, er will abhauen. Baut heimlich ein Boot, das fliegen kann. Lola weiß als Einzige davon und hilft ihm. Sie fragt sich, ob Friedrich das Boot ihretwegen baut, ob es auch in ihr einen Fluchtimpuls gibt. Wie bei der Lola vor ihr? Die ist verschwunden, bevor sie, die neue Lola angekommen ist. So etwas passiert eigentlich nicht. Was, wenn Lola den Zyklus der Ewigen durchbricht?


Eine ruhig erzählte, aufs Wesentliche verdichtete Geschichte, die vieles nur andeutet und so Raum für Fantasie lässt. Die geschickt auf die deutsche Vergangenheit (Mauer, Unfreiheit, Überwachung, Flucht, Essenspakete) verweist und das Bild einer dystopischen Zukunft als Folge des Klimawandels und menschlicher Zerstörungskraft zeichnet. Lesenswert!


„Hinter den Mauern der Ozean“ von Anne Reinecke, Roman, Diogenes Verlag (Diogenes Tapir), 240 Seiten, € 18,-.



Pratchett, Terry: Spitzer Stift schlägt stumpfes Schwert

Kurzgeschichten

Von tg

 

„Es ist uns eine große Freude, dass wir Terrys verschollene Geschichten nun endlich mit Ihnen teilen können.“  Colin Smythe (Verleger und Agent von Terry Pratchett)


Die (Scheibenwelt-)Romane von Terry Pratchett wurden in 40 Sprachen übersetzt und weltweit zu Bestsellern. Die wiederentdeckten und unter dem Titel „Spitzer Stift schlägt stumpfes Schwert“ zusammengefassten Kurzgeschichten gehören zu den Frühwerken des Fantasy-Schriftstellers, die er unter einem Pseudonym in den 70er- und 80er-Jahren für Tageszeitungen verfasste.

 

Da sprechen Bäume und Pferde, werden Schränke zu Zeitmaschinen, erfinden Höhlenmenschen den Wein, beherrscht die Hexe nur kohlenhydratreiche Zaubersprüche, wird der Weihnachtsmann bestreikt und verwandeln Zwerge den Garten in einen Vergnügungspark: „Sie schlenderten über den Rasen und kletterten an den Steinen hinauf und hinunter. Babyzwerge krabbelten umher. Graubärtige Zwerge angelten in dem kleinen Teich. Scharen von Zwergen schlossen sich den Führungen an und besichtigten die Gartendekoration.“ 


Ein skurriles, humorvolles, kurzweiliges Vergnügen mit liebenswerten, kauzigen Akteuren. Ein Muss für Pratchett-Fans. Aber auch ein guter Einstieg in das magische Universum des 2015 verstorbenen britischen Kultautors.

 
„Spitzer Stift schlägt stumpfes Schwert – Storys“ von Terry Pratchett, Piper Verlag, 240 Seiten, € 18,-.

Andeck, Mara: Das Schneeflockenmädchen

Weihnachten

Von anlö

 

Was ist die heilende Kraft der Märchen? Davon erzählt dieser Weihnachts-Roman von Mara Andeck. Eine junge Frau zieht in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts als Märchenerzählerin in einem Zirkuswagen frei und selbstständig durch das Land. Überall wo sie hinkommt, bringt sie den Menschen, ob arm oder reich, Mut und Hoffnung. Sie beschenkt sie mit der Kraft ihrer Worte und der uralten Bilderwelt der Märchen, die ihr selbst auf ihrem Lebensweg Trost und Heilung bringen.


Ein „Wohlfühlroman“, der so schön für Menschen in die Adventszeit passt, die sich verzaubern und berühren lassen wollen.


„Das Schneeflockenmädchen“ von Mara Andeck, Goldmann Verlag, 346 Seiten, € 13,-. 

 


Colgan, Jenny: Die geheime Weihnachtsbibliothek

Familiengeschichte

Von anlö

 

Jenny Colgan ist mit ihrem aktuellen Weihnachts-Roman wieder ein großer Wurf gelungen. Es ist die spannende Geschichte um ein rätselhaftes Vermächtnis und die Suche nach einem wertvollen Buch, das die Protagonistin Mirren auf ein Schloss an der schottischen Nordseeküste führt. Die Suche gestaltet sich als  äußerst schwierig, da das ganze Schloss nicht nur baufällig ist, sondern auch tausende Bücher  in einer unübersehbaren Anzahl von Räumen beherbergt. Faszinierend und mitreißend entführt Colgan in die Welt der Bücher, in geheimnisvolle Familiengeschichten und in die Romantik eines uralten Schlosses im Schnee.


„Die geheime Weihnachtsbibliothek“ von Jenny Colgan, Piper Verlag, 400 Seiten, € 13,-.

  

Paravel, Dominique: Die Schönheit des Kreisverkehrs

Liebesgeschichte

Von tg

 

"Sie lächelt, ohne ihn anzublicken. Die Zigarette ist bis zu den Fingern abgebrannt, sie wirft sie aus dem Fenster, schaltet hinunter, nimmt eine Kurve. Er sieht die Kilometer zusammenschmelzen. Bring mich weg. Bring mich woanders hin, ich bitte dich, bring mich weit weg."

 

Joaquin Reyes, Angestellter des im Umbruch befindlichen Unternehmens Savinco, soll für die kleine Gemeinde La Virote die Mitte eines Kreisverkehrs künstlerisch gestalten. Ein für seine Karriere wichtiges Projekt. Auf der – eigentlich kurzen – Geschäftsreise zu einer Sitzung des Gemeinderats wird Joaquin von der eigens dafür abgeordneten Marketingberaterin Vivienne Hennessy begleitet. Joaquin sitzt die Angst im Nacken, er wittert eine Falle. Vivienne, groß, spindeldürr, kühl und undurchschaubar, scheint alle Zeit der Welt zu haben, nimmt mit ihrem alten staubigen Mercedes anstelle der Autobahn die Nationalstraße, fährt in jedem Kreisel drei Runden, verlässt die vorgesehene Route aus unerfindlichen Gründen. Schnell wird klar, dass sie sich arg verspäten werden. Joaquin ist auf dem Beifahrersitz gefangen, schwankt zwischen Verzweiflung, Wut und Ohnmacht, driftet in Gedanken in die Vergangenheit ab und fürchtet sich vor dem "Treibsand der Hypoglykämie" – er ist Diabetiker und hält dies geheim, seine Tage sind festen, existenziellen Ritualen untergeordnet. Aber auch Vivienne, innerlich zerrissen und auf der Flucht, hat ein ängstlich gehütetes Geheimnis. Obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten, kommen Joaquin und Vivienne sich Stück für Stück näher.

Eine kleine, dichte, großartig erzählte Geschichte, in der es für die Protagonisten um nicht mehr und nicht weniger als um Liebe und Freiheit, Leben und Tod geht. Ein Trip wie ein zunächst sprödes Roadmovie, erst langsam Fahrt aufnehmend, um dann in einem rasanten, dramatischen Finale zu enden.

"Die Schönheit des Kreisverkehrs" von Dominique Paravel, Nagel & Kimche Verlag, 173 Seiten.



Bergmann, Emanuel: Tahara

Liebesgeschichte

Von tg

 

„Er fand es unverständlich, dass eine Frau wie Héloïse ausgerechnet ihn begehren konnte. Er hatte die Befürchtung – ja geradezu die Gewissheit –, dass sie bald aus diesem Fieber erwachen würde, dass diese Tage für ihn ebenso plötzlich vorbei wären wie der Traum, der ihn eben noch umfangen hatte.“


Marcel Klein ist ein berüchtigter Filmkritiker, ein labiler „kleiner, missgünstiger Schreiberling“ und „im Grunde nur ein Mensch, der die Kunst des Glücklichseins nie erlernt hat“. Was das Schöne angeht,  ist er verschlossen, es sei denn, es widerfährt ihm auf der Leinwand, als Ilussion. Das Kino ist seine Sucht, seine Flucht vor der Wirklichkeit. Doch das Lächeln der melancholischen, trotzigen und rätselhaften Lehrerin Héloïse Becker, der er bei den Filmfestspielen von Cannes begegnet, gefällt ihm sofort, denn wie „die meisten Männer fand er den Schmerz schöner Frauen unwiderstehlich“. Héloïse hat ihren Mann vor wenigen Tagen verlassen. Als sie bei einem Ladendiebstahl ertappt wird und Marcel, der zu viel trinkt, das Interview mit der Schauspielerin Eva Vargas völlig verbockt, setzen sich die beiden in Héloïse‘ alten Peugeot und verlassen Cannes Hals über Kopf.


Eine „amour fou“, die unter keinem guten Stern steht. Schwermütig, launenhaft, prickelnd. Und sehr gut und elegant erzählt.


„Tahara“ von Emanuel Bergmann, Diogenes Verlag, 288 Seiten.

McEwan, Ian: Maschinen wie ich

Unterhaltung

Von tg

 

„Ich musste diese Maschine verstehen. Eine Eigenheit war mir bereits aufgefallen. Sah Adam sich vor eine Wahl gestellt, erstarrte sein Gesicht für einen Moment, so kurz, dass er nur geringfügig über der Wahrnehmungsschwelle lag. Genau wie jetzt, kaum mehr als ein Flirren, aber ich sah es. Abertausend Möglichkeiten wurden gegeneinander abgewägt und bekamen einen Wert, eine Nutzerfunktion und eine moralische Gewichtung zugeordnet.“

 

Lebenskünstler Charlie ist Anfang dreißig, mit der Studentin Miranda liiert und hat sich von seinem Erbe einen der ersten wirklich funktionierenden künstlichen Menschen mit überzeugender Intelligenz und lebensechter Motorik gekauft, einen denkenden Gefährten und „intellektuellen Sparringspartner“. „Adam“, anfangs noch ein steuerbarer Androide, entwickelt rasch ein Eigenleben. „Er“ hat Zugang zu allem Wissen der Welt, zieht eigene Schlüsse und handelt autonom. Mehr noch, Adam entwickelt Gefühle, verliebt sich in Miranda und hat sogar Sex mit ihr. Kein Wunder, dass Charlies kleine Welt gehörig auf den Kopf gestellt wird. Und dann ist da noch ein dunkles Geheimnis in Mirandas Vergangenheit, auf das Adam ihn in betrübtem Ton hinweist: „Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Lügnerin ist. Eine systematische, böswillige Lügnerin.“


Ian McEwan lässt seine eindringliche und scharfsinnige Geschichte über das hochaktuelle Thema KI im „Herbst“ des zwanzigsten Jahrhunderts spielen. Als Leser*in ertappt man sich selbst zunehmend dabei, Adam gegenüber Sympathie zu entwickeln, ihn nicht mehr als Roboter wahrzunehmen, sondern als menschliches bzw. menschenähnliches Wesen mit Bewusstsein, starkem Willen, Empathie und rationalen Moralvorstellungen. Die Auswirkungen künstlicher Intelligenz werden hier im Kleinen dargestellt, sie kommt auf leisen Füßen ins Haus, mischt sich in Beziehungen ein, nimmt Einfluss auf das individuelle Schicksal und wirft neue Fragen auf. Das macht der britische Bestseller-Autor inhaltlich und stilistisch sehr, sehr geschickt. Chapeau!


„Maschinen wie ich“ von Ian McEwan, Diogenes Verlag, 408 Seiten.

 

Shteyngart, Gary: Willkommen in Lake Success

Unterhaltung

Von tg

 

„Barry weinte alle paar Wochen, um seinen Sohn, sein scheiterndes Unternehmen, seine toten Eltern, die Tatsache, dass er eigentlich nicht wusste, wer er war.“


Das Leben von Finanztitan Barry Cohen liegt in Scherben: Sheema, seine junge, kluge und schöne Frau, liebt und versteht ihn nicht mehr, spricht ihm gar jegliche Fantasie ab. Die ungelenken Versuche, Kontakt zu seinem dreijährigen autistischen Sohn herzustellen, scheitern allesamt kläglich. Zudem sind ihm FBI und US-Börsenaufsicht auf den Fersen.

 

In den frühen Morgenstunden taumelt Barry betrunken und mit geschundener Seele in einen Greyhound-Bus, um sich mit nichts als seinen sündhaft teuren Designer-Uhren im Gepäck durch sein Amerika zu kämpfen. Das echte Amerika, kurz vor der Trump-Wahl. Auf der Suche nach dem unbeschwerten Studenten, der er einmal war, auf dem Weg zu seiner College-Liebe Layla macht Barry – mal wankelmütig und selbstmitleidig, mal wild entschlossen und liebevoll bemüht – kuriose und ermutigende Erfahrungen. Doch die Fehlschläge sind vorprogrammiert, denn Barry schafft es nicht, aus seinen alten Denkmustern auszubrechen.

 

Und so schwankt man als Leser zwischen Abneigung gegen den skrupellosen, sich selbst überschätzenden Hedgefonds-Manager und Mitgefühl für den verletzlichen, nach wahrem Glück suchenden Menschen. Der letztendlich seinen inneren Frieden findet.

 

Barry Cohens Tour de Force ist ein mitreißendes Lesevergnügen, glänzend erzählt, intelligent, humorvoll und berührend. 

 

„Willkommen in Lake Success“ von Gary Shteyngart, Penguin Verlag, 430 Seiten.



Schätzing, Frank: Die Tyrannei des Schmetterlings

Thriller

Von tg

 

„Mit zunehmendem Wissen wächst seine Intelligenz rasend schnell und exponentiell. Die Raupe, wie Elmar das Gebilde im Berg nennt, beginnt sich selbst zu füttern und immer komplexere Schlüsse zu ziehen. Was die Frage aufwirft, wie man den Computer künftig kontrollieren soll.“

 

Ein kleines Nest in der Sierra Nevada, Kalifornien. In einer Schlucht „schwebt“ eine tote Frau, ein „gefallener Engel“. In ihrem Firmenwagen liegt ein USB-Stick, auf dem sich verwirrende Aufnahmen befinden: „Ein Raum mit einer Brücke darin – bis an die Zähne bewaffnete Männer, nachtschwarze Kästen, in denen es pulsiert, Schattenhaftes sein Interesse auf die Außenwelt richtet ...“.

 

Die Mordermittlungen führen Undersheriff Luther Opoku zum Hightech-Riesen Nordvisk Incorporated aus Palo Alto, der versteckt in den Wäldern tief unter der Erde eine Forschunganlage betreibt. Das Flaggschiff des Konzerns ist A.R.E.S., ein eigenständig (und zunehmend eigenwillig) Forschungsprogramme entwickelnder Superrechner, ein Quantencomputer und synthetischer Wissenschaftler, hervorgegangen aus einer Software des genialen Elmar Nordvisk. Bei der Befragung der Mitarbeiter erkennt Luther Opoku im hünenhaften Sicherheitschef Jaron Rodriguez einen der Männer auf den Filmaufnahmen wieder. Rodriguez flüchtet in die unterirdischen Gänge, der Undersheriff stürzt hinterher. Und landet schließlich auf der Brücke – einem kosmischen Tor. mehr


Wray, John: Das Geheimis der verlorenen Zeit

Science-Fiction

Von tg

 

"Ich schreibe, um dich zu mir zurückzuholen, Mrs. Haven. das kann ich nicht leugnen. Ich will erneut ins Kontinuum, wenn auch nur, weil es der Ort ist – oder das Feld oder der Zustand –, in dem du existierst ..."

Der junge Waldemar Tolliver sitzt in der Bibliothek des vollgemüllten New Yorker Apartements seiner verstorbenen Tanten Enzian und Gentian. Er weiß nicht mehr, wie er dort hingekommen ist, aus unerklärlichen Gründen steht die Zeit für ihn still, und er spürt, er ist nicht allein. Es gibt nur einen Weg, um Mrs. Haven, die Frau des mächtigen und skrupellosen „First Listeners“ der Kirche der Synchronologie, die Frau, mit der ihn eine tragische Liebe verbindet, zu erreichen: er muss in die „normale“ Welt zurückkehren. Und dazu seine Familiengeschichte erforschen, aufschreiben und seinen Platz darin verstehen. Beginnend bei seinem Urgroßvater Ottokar, einem Gurkenfabrikanten und Hobbyphysiker, der just, als er dem Geheimnis der Zeit – und der Zeitreise – auf die Spur gekommen war, von einem Auto überrollt wurde.

"Das Geheimnis der verlorenen Zeit" ist ein wunderbarer, witziger, berührender Roman, der Wissenschaft, Philosophie, Zeitgeschichte und Science-Fiction geschickt miteinander verwebt. Und es schafft, 734 Seiten anspruchsvolle Unterhaltung zu bieten!

"Das Geheimnis der verlorenen Zeit" von John Wray, Rowohlt Verlag, 734 Seiten.

Canavan, Trudi: Die Schöpferin

Fantasy

Von tg

 

„Rielle glitt über die still stehenden Maschinen hinweg und schauderte angesichts ihrer geraden Linien, die sich bis zum Horizont erstreckten. Sie waren von unterschiedlichen Größen und Formen, einige so klein wie ein Schoßhund, andere größer als ein Haus. Der Anblick so vieler Maschinen war beunruhigend. Welche Welt konnte einer solchen Armee standhalten?“


Rielle Lazuli, Schöpferin der Welten, möchte eigentlich nur ihrer Magie beraubte Welten
wiederherstellen und stärken und nicht in politische und kriegerische Streitigkeiten eingreifen. Der friedliebende, alterslose Zauberer Tyen Eisenschmelzer kehrt mit seinen Schülern in seine Heimat zurück, um sicher vor Verfolgern zu sein und als Direktor der Akademie Zauberer zu unterweisen.


Doch die Menschen schweben in großer Gefahr. Eine mächtige, zu allem bereite Zauberin befehligt riesige Armeen von Maschinen, die den Welten Magie entziehen und sie zerstören. Rielle und Tyen müssen sich gemeinsam der Bedrohung stellen. Dabei benötigen sie die Hilfe eines alten Feindes, denn nur gemeinsam haben sie eine Chance.


Der Abschluss der vierteiligen Reihe „Die Magie der tausend Welten“ der australischen Bestsellerautorin Trudi Canavan. Ruhig erzählt, originell und spannend. Canavan führt souverän und überzeugend die Handlungsstränge, anknüpfend an die drei vorausgehenden Bände, zusammen. Und gibt den Fans der Fantasy-Saga endlich eine Antwort auf die Frage, ob Rielle und Tyen am Ende ein Liebespaar werden oder nicht ...


„Die Magie der tausend Welten – Die Schöpferin “ von Trudi Canavan, Penhaligon Verlag, 700 Seiten. 


Canavan, Trudi: Die Mächtige

Fantasy

Von tg

 

Die "Mächtige" ist der (wohl?) letzte Teil der spannenden Fantasy-Trilogie von der australischen Autorin Trudi Canavan.

 

In den Welten herrscht Chaos. Die Gefolgleute Valhans möchten diesen wieder zum Leben erwecken, aber dazu brauchen sie die Hilfe von Tyen. Widerstrebend willigt der ein, denn nur so kann er herausfinden, wie Pergama ihre menschliche Form zurückerhält. 

 

Rielle nimmt den bei den Fahrenden aufgewachsenen Quall unter ihre Obhut. Sie selbst oder Quall könnten Nachfolger Valhans, des Raen, werden. Doch sie sind in Gefahr ...

 

Wird es Rielle und Tyen gelingen, die Welten zu befrieden? Wird Valhan wiedererweckt? Oder gibt es einen Nachfolger? Kann Pergama von ihrem Bann erlöst werden ...?

 

Auch wenn sie in ihren Romanen dramatische Geschehnisse beschreibt, konzentriert sich die Bestseller-Autorin auf die Entwicklung ihrer (jungen) Protagonisten.


"Die Mächtige – Die Magie der tausend Welten" von Trudi Canavan, Penhaligon Verlag, 704 Seiten.

Weir, Andy: Der Astronaut

Science-Fiction

Von tg

 „Damals habe ich mir wie die meisten Kinder vorgestellt, wie es wäre Astronaut zu sein. Ich habe mir ausgemalt, mit einer Rakete durch den Weltraum zu fliegen, Aliens zu treffen und ganz allgemein ein Held zu sein.“


Nackt und mit Schläuchen verbunden wacht Ryland Grace aus einem komatösen Schlaf auf. Eine Computerstimme stellt ihm Fragen und Roboterarme greifen nach ihm. Grace weiß nicht, wo er sich befindet, kann sich nicht einmal erinnern, wer er ist. Langsam kommt er zu Kräften, untersucht seine Umgebung und stellt fest: von drei Astronauten ist er der einzige Überlebende, im Raumschiff Hail Mary unterwegs zu einem fernen Sonnensystem. Seine Mission: die Menschheit retten. Bruchstückhaft kehrt die Erinnerung zurück und Grace wird klar, dass er sich auf einer Reise ohne Wiederkehr befindet. Doch allein ist er nicht unterwegs, denn nicht nur die Existenz seines Heimatplaneten ist bedroht. Als sich ein fremdes Raumschiff nähert, nehmen die Ereignisse eine unerwartete Wendung – und es wird nicht die letzte in diesem fesselnden Abenteuer sein.


Geschickt führt der US-amerikanische Bestseller-Autor Andy Weir („Der Marsianer“) die Leser*innen tiefer und tiefer in die Geschichte, verwebt die wissenschaftliche Arbeit an Bord der Raumfähre mit Erinnerungsfetzen seines Protagonisten, schafft es, dass der Roman ohne Spektakel auskommt und trotzdem – oder gerade deshalb – bis zum Schluss spannungsgeladen und berührend bleibt. Nicht zuletzt, weil es neben einem durchaus realistisch erscheinenden Katastrophen-Szenario auch um Themen wie Mut, Freundschaft und Lebenssinn geht.


„Der Astronaut“ von Andy Weir, Heyne Verlag, 556 Seiten.     


Jacka, Benedict: Der Wächter von London

Urban Fantasy

Von tg

 
Im vierten Teil der Urban Fantasy-Reihe wird der coole Hellseher Alex Verus zum Gejagten. Die Nightstalker, eine Gang von jungen, magisch begabten Adepten, die der unversöhnliche Will Traviss um sich geschart hat, trachtet Alex nach dem Leben. Gut, dass Alex Freunde hat, die ihm beistehen.


„Der Wächter von London“ von Benedict Jacka, Blanvalet Verlag, 414 Seiten.

In "Der Magier von London", dem dritten Teil der Urban Fantasy-Reihe um den jungen Magier Alex Verus, bekommt Alex den geheimen Auftrag, das rätselhafte Verschwinden von Magier-Lehrlingen aufzuklären. „Der Magier von London“ von Benedict Jacka, Blanvalet Verlag, 412 Seiten.

„Das Ritual von London“ beraubt magische Kreaturen ihrer Energie – und ihres Lebens. Teil zwei der Urban Fantasy-Reihe um den jungen Magier Alex Verus. „Das Ritual von London“ von Benedict Jacka, Blanvalet Verlag, 382 Seiten.

„Das Labyrinth von London“ ist der fulminante Auftakt zur Urban Fantasy-Reihe um den jungen Magier Alex Verus. Lesestoff für eine lange, schlaflose Nacht! „Das Labyrinth von London“ von Benedict Jacka, Blanvalet Verlag, 412 Seiten.



Krien, Daniela: Die Liebe im Ernstfall

Unterhaltung

Von tg

 

„Eine Weile lag sie auf dem Bett und sah aus dem Fenster. Das Außenthermometer zeigte minus elf Grad Celsius an. Immerhin würde ihr dieser Tag in Erinnerung bleiben, anders als all die anderen Tage des Jahres.“


Jorindes Augen brennen vor Müdigkeit, und erst nachdem sie Tatsachen geschaffen hat, schläft sie wirklich ein. Albträume reißen Malika in finstere Welten, und Judith wird von ihrem eigenen Weinen aus dem Schlaf gerissen. An einem Sonntagmorgen im März stellt Paula fest, dass sie glücklich ist, und für Brida beginnt nach einer Vollmondnacht der erste Tag eines neuen Lebens.


Unruhige Nächte sind nicht das einzige Bindeglied im Leben von Jorinde, Malika, Judith, Paula und Brida. Geschickt verknüpft Daniela Krien die Geschichten ihrer Protagonistinnen, dieser starken, verletzlichen, gegensätzlichen Frauen. Geschichten – eindringlich und voller Brüche und Wendungen –, in denen es um Beziehung, Identität, um die verzweifelte Suche nach sich selbst, nach dem großen Glück, „Die Liebe im Ernstfall“ geht.


Ein dichter, stilistisch sehr guter Roman mit einem melancholischen Grundton.


„Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela

Krien, Roman, Diogenes Verlag, 288 Seiten, € 22,-.

Djian, Philippe: Marlène

Unterhaltung

Von tg

 

„All die Jahre im Einsatz war Richards Leben zu schützen der einzige Grund gewesen, alles durchzuhalten, ein ausreichender Grund, ein erlösender, der seiner eigenen Existenz einen Sinn gegeben hatte, und es tat gut, diese Rolle wieder einnehmen zu können, zu fühlen, wie sein Geist und sein Körper sich wieder annäherten.“


Dan und Richard sind von ihren Kriegseinsätzen traumatisiert und haben – zurück in ihrer Heimatstadt – Schwierigkeiten in ein normales Leben zurückzufinden. Während der besonnene Dan sich anpasst und versucht, seinen Alltag geduldig zu meistern, bringt sich der aufbrausende Heißsporn Richard ständig in Schwierigkeiten. Kein Wunder, dass das Verhältnis zu seiner Tochter Mona gestört ist und seine Ehe mit Nath Risse bekommen hat. Dan versucht zu vermitteln.

 

Doch als plötzlich Naths Schwester Marlène auftaucht, die zu den Leuten gehört, „die Blitze anziehen“ oder „irgendeine Katastrophe“, kommen Liebe und Eifersucht ins Spiel und bringen das brüchige Gebäude von Dans und Richards Freundschaft zum Einsturz.


Mit lakonischer Klarheit, scharfäugig und ernst erzählt Djian von den Bemühungen seiner Protagonisten, das Wirrwarr ihrer Beziehungen und das Chaos der Gefühle zu ordnen und ein halbwegs normales Dasein zu führen. Und lässt sie am Ende gnadenlos scheitern.


„Marlène“ von Philippe Djian, Diogenes Verlag, 279 Seiten.

Cantero, Edgar: Mörderische Renovierung

Gruselroman

Von tg

 

„Wenn es Nacht wird und Axton House zu einer schwarzen, leblosen Silhouette wird, bei deren Anblick Shaggy und Scooby-Doo sich in die Hose machen und flüchten würden, haben wir drinnen beim Duft des Kaminfeuers mit seinen gelb lodernden Holzscheiten heimelige Gefühle.“


Der 23-jährige A. Wells erbt aus heiterem Himmel das Anwesen eines entfernten Cousins in Virginia. Zusammen mit Niamh, einer stummen jugendlichen Punkerin, fliegt A. kurz entschlossen nach Amerika. Das düstere Gebäude ist verwirrend groß und von einem wilden Garten umgeben, der mitgeerbte Butler spurlos verschwunden, und verschlüsselte Nachrichten geben den beiden neuen Hausbewohnern Rätsel auf. Schon bald kommt ungebetener Besuch, treiben geisterhafte Schatten ihr Unwesen und peinigen Albträume den Erben. Kurzerhand werden Stimmrecorder und Videokameras installiert und die jungen Protagonisten machen sich unerschrocken daran, das Geheimnis von Axton House zu entschleiern.


Interessant: Die Geschichte erschließt sich nicht wie üblich aus der Sicht eines Erzählers, sondern aus
Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Notizen, Traumjournalen, Tonaufnahmen, Videoaufzeichnungen u. a. m. So hat „Mörderische Renovierung“ einen ganz eigenen Rhythmus, ist kurzweilig und spannend. Und auch der Humor kommt in diesem schrägen Gruselroman nicht zu kurz. Leider sind einige Passagen und vor allem der Showdown übertrieben und unnötig brutal.


„Mörderische Renovierung“ von Edgar Cantero, Golkonda Verlag, 412 Seiten.



Watsky, George: Wie man es vermasselt

Unterhaltung

Von tg

 

„Ich würde eine ayurvedische Spa-Behandlung vielleicht nicht jedem empfehlen, aber falls Sie die Vorstellung reizt, zwei Stunden lang (bis auf ein winziges Baumwolltuch über den Genitalien) splittterfasernackt auf dem Rücken zu liegen, während irgendein Typ an ihren Gliedmaßen zerrt und Öl in jede Körperfalte reibt, dann kann ich nur sagen: Ab ins nächste Flugzeug nach Trivandrum!“


Gleich vorweg: Das Prosa-Debüt des jungen amerikanischen Rap-Musikers, Lyrikers, Dramatikers, Schauspielers und Poetry Slammers ist erfrischend originell, witzig, unterhaltsam und sehr gut geschrieben. In dreizehn autobiographischen Geschichten schildert George Watsky unverblümt selbstironisch, mal cool, mal sensibel, die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, seine Vorliebe für ältere Frauen, seine epileptischen Anfälle, die Tücken des Alltags, kuriose und berührende Erlebnisse. Da werden dem verhassten Lehrer Texte ins Gesicht gerappt, die nicht gerade jugendfrei sind. Da wird – zum hundertsten Geburtstag der Großtante eines Freundes – der Stoßzahn eines Narwals über die Grenze Kanadas geschmuggelt. Und die Konzerttour in einem mehr oder weniger notdürftig zusammengezimmerten Dreichachser gestaltet sich als eine kuriose Aneinandereihung von „Pleiten, Pech und Pannen“.


„Wie man es vermasselt“ erzählt von den kleinen und großen Niederlagen, die das Leben in irgendeiner Form für jeden von uns bereit hält. Trotzdem zeichnet diese Kurzgeschichten ein durchweg optimistischer Sound aus. Denn der Protagonist Watsky ist ein liebenswerter, einfallsreicher Träumer, der versucht, aus jeder Situation das Beste zu machen. Und mit dieser Einstellung gelingt dann doch mitunter ein großer Wurf – so wie dieses Buch.

  
„Wie man es vermasselt“ von George Watsky, Diogenes Verlag, 335 Seiten

Lunde, Maja: Die Geschichte des Wassers

Climate Fiction

Von tg

 

"Je trockener unser eigenes Land wurde, desto häufiger redete sie von den Ländern im Norden, wo es nicht nur ein seltenes Mal im Laufe der kalten Monate regnete, sondern auch im Frühjahr und Sommer. Wo es keine langanhaltende Dürre gab, sondern das Gegenteil, weil der Regen mit schweren Stürmen einherging und zur Plage wurde ..."

 

"Climate Fiction" verbindet ökologische Themen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Motiven aus der Science-Fiction-Literatur und ist dabei erschreckend realistisch. So auch der neue Roman von Maja Lunde, die mit "Die Geschichte der Bienen", dem Auftakt ihres „Klima-Quartetts“, für große Aufmerksamkeit sorgte.

 

Im Mittelpunkt von "Die Geschichte des Wassers" stehen die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels, die sich bereits 2017 deutlich abzeichnen. Die Umweltaktivistin Signe, eine von den "Alten", macht sich mit einem Segelboot auf den gefahrvollen Weg von Norwegen nach Südfrankreich. An Bord Kisten voll mit Blöcken, die man aus Gletschern herausgeschnitten hat, um daraus Eiswürfel für Drinks zu machen, die einem "Scheich in Saudi-Arabien oder Katar serviert werden". Signe ist fest entschlossen, die Blöcke ihrem einstigen Geliebten Magnus, den sie verantwortlich für den Abbau des Eises macht, vor die Füße zu kippen.

 

Im Jahr 2041 ist der junge Vater David zusammen mit seiner kleinen Tochter Lou auf der Flucht vor der alles versengenden Hitze. Die beiden landen in einem Flüchtlingscamp in der Nähe von Bordeaux. Trinkwasser ist stark rationiert, es gibt kaum etwas zu essen, die hygienischen Verhältnisse sind schlecht und gewalttätige Auseinandersetzungen an der Tagesordnung. Davids Hoffnung, die wasserreichen Länder im Norden Europas zu erreichen, schwindet. Da entdeckt er im Garten eines verlassenen Hauses ein altes Segelboot, Signes Segelboot ...

 

"Die Geschichte des Wassers" von Maja Lunde, btb Verlag, 480 Seiten.

Wells, H.G.: Die Zeitmaschine

Science-Fiction

Von tg

 

"Mir schien, dass ich auf eine Menschheit gestoßen war,
die im Verschwinden begriffen war. Der rote Sonnen-
untergang ließ mich an den Untergang der Menschheit denken."

 

H.G. Wells zählt – neben Jules Verne – zu einem der Pioniere der Science-Fiction-Literatur. Bekannt wurden vor allem seine Werke "Der Krieg der Welten" und "Die Zeitmaschine". Beide Romane sind nun in einer Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff erschienen. Mit Nachwort, Anmerkungen und Zeittafel.

Die erstmals 1895 erschienene und seitdem mehrfach verfilmte, nur 128 Seiten umfassende zivilisationskritische Erzählung "Die Zeitmaschine. Eine Erfindung" ist die "Mutter aller Zeitreisegeschichten" und hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Wells Protagonist katapultiert sich durch die vierte Dimension ins Jahr 802701. Die Erde wird von schönen, friedlichen und kindlich anmutenden Wesen, den Eloi, bewohnt. Doch die Idylle trügt. Das scheinbare Paradies zeigt schon bald seine grauenvollen Schattenseiten. Entsetzt und angewidert kehrt der Zeitreisende für einen kurzen Moment in die Gegenwart zurück, wo er feststellen muss, dass er sich (auch) hier nicht mehr zu Hause fühlt ...

"Die Zeitmaschine" von H.G. Wells, dtv Verlag, 191 Seiten.



Növe, Tom: Querverkehr

Unterhaltung

Von tg

 

"Als sie den Sarg ins Treppenhaus stemmten, wankte Georg plötzlich. Der massenhafte Kaffee, er stehe das nicht durch. David stützte ihn und lud ihn vor Angelina ab. Georg klammerte sich an ihre Beine, die Nase in der Auslegeware. Ein Windzug schloss barbarisch die Tür."

 

Ist unser Weg vorbestimmt oder haben wir eine Wahl? Oder sollten wir lieber von Fügung sprechen? Wie können wir erkennen, dass uns das Schicksal die Hand reicht – und diese mutig ergreifen?

 

Im empfehlenswerten Roman "Querverkehr" verbindet der hannoversche Autor Tom Növe anspruchsvolle Unterhaltung mit der Frage nach der Willensfreiheit und dem Einfluss von Begegnungen auf unseren Lebensweg.

 

David hat Job und Wohnung gekündigt, das Flugticket in der Tasche und den Aktenkoffer voller Geld. Fünfzehn lange Jahre der Vorbereitung liegen hinter ihm. Da ruft die siebzehnjährige Nicole an und behauptet, er sei ihr Vater.

 

Zähneknirschend und grübelnd erwartet David in der leeren Wohnung das Eintreffen der vermeintlichen Tochter. Davon unbeeindruckt zieht die attraktive Nachmieterin Angelina ein. Wenige Tage später wird nichts mehr sein wie es war ...

 

Die desillusionierte, verheiratete Maria hat den alten Pietro bis zu dessen Tod gepflegt und sein heruntergekommenes Hotel geführt. Alessandro reist aus Italien an, um seinen Großvater zu beerdigen. Er ist von Maria fasziniert und macht ihr den Hof. Maria ist verwirrt. Sie begeht eine Dummheit, die beide in Gefahr bringt ...

 

Während sich die Geschichten der Protagonisten ineinander verstricken, funken ein eifersüchtiger Totengräber, ein Maskierter mit Waffe und ein durchgeknallter Weltverbesserer dazwischen – schließlich geht es um Liebe, Geld und durchkreuzte Pläne.

 

Eine, nein, zwei außergewöhnliche Liebesgeschichten. Mit Tempo und Tiefgang. Und einer Messerspitze Humor. Ein Roman, den man/frau bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand legen möchte. Geheimtipp! Zu bestellen online, z. B. über BOD (auch als E-Book) oder direkt im Buchladen.

 

"Querverkehr" von Tom Növe, Roman, Books on Demand, 147 Seiten, ISBN 978-3-8391-8898-9, 11,90 €.

 

Als HÖRBUCH-Download u. a. bei Audible

Növe, Tom: Alles oder nichts im Hier und Jetzt

Unterhaltung

Von tg

 

"Hier geschah etwas völlig Neues, eine Generation von Erleuchteten, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte, erblickte das Licht der Welt. Überrumpelte Egos hingen in den Seilen und hissten die Friedensfahne."

 

Ein marodes Ferienhaus an der Ostsee, ein erloschener Leuchtturm, ein Retreatcenter und viele offene Fragen. Der Sommer ist schwül und launisch, die Atmosphäre elektrisch geladen.

 

Nach einer spontanen Erleuchtungserfahrung steckt Paul mitten in der schwersten Sinnkrise seines Lebens. Drauf und dran, seine Frau zu verlassen, erliegt er im Urlaub dem Zauber von Femme fatale Irene: "Der Sturm scharrte in den Startlöchern, Regen kollidierte mit dem Dach, der Himmel spie Funken und grollte. Sie entzündete die letzte Kerze. Und kam ohne Umschweife zum Thema: ‚Die Liebe.‘"

 

Daniel will alte Rechnungen begleichen und bringt sich dabei in Schwierigkeiten. In seiner Verzweiflung nimmt er die widerspenstige Polizistin Patricia als Geisel – und versucht, ihr Herz zu erobern.

 

Nichts ist mehr so wie es einmal war, und der Showdown unabwendbar. Denn der korrupte Bulle Ben, ein schmieriger Privatdetektiv und ein charismatischer Guru verfolgen eigene Ziele und schießen quer.

 

Die Zeit drängt, die Windsbraut tobt, die Hüllen fallen. Schließlich geht es um "Alles oder nichts im Hier und Jetzt" ...

 

Eine fesselnde Geschichte um die Macht der Fantasie, um Wahrheit und Freiheit, Erleuchtung, Verwandlung und Neubeginn, Sex und große Gefühle. Mit Tempo und Tiefgang. Und einer Messerspitze Humor.

 

Leserinnen und Leser, die Spiritualität leben, werden vieles wiedererkennen, was den Protagonisten widerfährt, und hier und da schmunzeln, wenn z. B. der Guru S.O.T. (source of truth) zum Satsang bittet. Aber auch wer einfach nur einen wirklich guten, anspruchsvollen und zugleich witzigen Roman lesen will, wird mit "Alles oder nichts im Hier und Jetzt" seine Freude haben.

 

Der empfehlenswerte Roman von Tom Növe ("Querverkehr") kann z. B. über Books on Demand, Thalia, Hugendubel oder (am besten) bei jedem Buchhändler vor Ort (!) bestellt werden.

 

Außerdem erhältlich als E-Book in E-Book-Shops wie Apple iBooks, den Tolino Shops oder Google Play sowie in vielen anderen Online-Shops.

 

"Alles oder nichts im Hier und Jetzt – Liebe, Erleuchtung, Gewitterneigung" von Tom Növe, BoD, 300 Seiten, ISBN 978-3-738-65587-2.

Crowley, John: Die Übersetzerin

Unterhaltung

Von tg

 

"Er sprach über Puschkin, wie sie ihn schon vorher sprechen gehört hatte, in seinen Kursen und den Nächten dieses Sommers; er las ausgewählte Zeilen in seiner honigdicken und melodiösen russischen Stimme, und sie fürchtete, ihr Herz müsste zerbersten."

 

1961. Während der Kuba-Krise lernt die junge Studentin „Kit“ Christa Malone an der Universität Innokenti Issajewitsch Falin kennen. Sie ist fasziniert von dem in die USA ausgewiesenen charismatischen Exil-Dichter. Er bittet sie, seine Gedichte ins Englische zu übersetzen. Die Macht der Poesie verwebt das Schicksal der beiden Wort für Wort, Stück für Stück miteinander. Doch ihre sich langsam entwickelnde Liebesbeziehung steht unter keinem guten Stern. Denn Falin, der gefährliche Geheimnisse hütet, wird bedroht. Kit fragt sich: Ist er ein Agent? Und wenn ja, auf welcher Seite steht er? Nach ihrer letzten gemeinsamen Nacht verschwindet Falin – ist er ermordet worden, hat er Selbstmord begangen oder sich in seine Heimat abgesetzt? Jahre später erkennt Kit rückblickend, was ihr geblieben ist: "Durch ihn hatte sie eine Möglichkeit zu sprechen wiedererlangt; ein Zuhause in ihrem Herzen; vielleicht sogar eine Welt, um darin zu wohnen, unzerstört."

 

Eine dichte, melancholische und hervorragend erzählte Geschichte.

 

"Die Übersetzerin" von John Crowley, Golkonda Verlag, 348 Seiten.


Didierlaurent, Jean-Paul: Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12

Unterhaltung

Von tg

 

"So Schätzchen, jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen, dachte Mathilde, während sie ein letztes Mal ihr Make-up im Rückspiegel überprüfte."

 

Elf preisgekrönte Kurzgeschichten von Jean-Paul Didierlaurant ("Die Sehnsucht des Vorlesers"). Darin geht es um Menschen, die ein kleines oder großes Geheimnis haben und sich in alltäglichen und nichtalltäglichen Situationen zu ungewöhnlichem Handeln entscheiden. So wie die verliebte Mathilde, deren Lieblingsort  eine Mautkabine ist, da hier niemand sehen kann, dass sie in einem Rollstuhl sitzt. Aber nicht nur von heiter-kuriosen und poetischen, auch von dunklen Begebenheiten wird erzählt, etwa vom Trauma eines Ex-Soldaten und von der Henkersmahlzeit eines Mörders.

"Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12" von Jean-Paul Didierlaurent, dtv Verlag (dtv premium), 154 Seiten.



Moers, Walter: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Fantasy

Von tg

 

„Ich bin der Hai, der nicht weiterzieht. Ich bin der Sturm, der dein Schicksal durcheinanderwirbelt, bis kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. Ich bin der Blitz, der wieder und wieder in dieselbe Stelle einschlägt.“


Prinzessin Dylia hat die seltenste Krankheit von ganz Zamonien, eine hartnäckige Form der Schlaflosigkeit, Insomnie genannt. Wenn Sie mal wieder tagelang kein Auge zutun kann, wandert sie durchs Schloss, denkt sich Pfauenwörter aus, macht Regenbogenerfindungen, sortiert ihre Träume oder sieht Zwielichtzwerge auf der Fensterbank ihres Schlafzimmers.


Als sie eines Tages im Bett liegt und auf ihren Erschöpfungsschlaf hofft, sitzt plötzlich ein „bestürzend hässlicher und kleinwüchsiger Gnom mit vielfarbiger Haut“ auf ihrem Brustkorb und stellt sich als Nachtmahr Havarius Opal, ihr schlimmster Alptraum, vor. Der unverschämte Eindringling erklärt der Prinzessin, dass er gekommen ist, um sie in den Wahnsinn zu treiben und ihr Ableben zu beschleunigen. Doch zuvor soll sie ein letztes Abenteuer, eine Reise ins dunkle Herz der Nacht erleben.

 

Die gefährliche Expedition führt Dylia und den Nachtmahr durch das Gehirn der Prinzessin, wo Realität und Traum nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind ...


Der siebte Zamonien-Roman von Walter Moers ist ein fantastisches, groteskes, wortgewandtes Märchen mit einer gekonnten Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit. Er entstand durch die Zusammenarbeit des Autors mit der am „Chronischen Fatigue- oder Erschöpfungssyndrom (CFS)“ erkrankten Lydia Rode, die das Buch illustrierte.


„Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr“ von Walter Moers, illustriert von Lydia Rode, Knaus Verlag, 338 Seiten.

Fforde, Jasper: Das Auge des Zoltars

Fantasy

Von tg

 

„Und dann sprang ich. Und zwar richtig. Sogar heute kann ich mich nicht erinnern, ob ich zur Gipfelseite oder zum Abgrund hinsprang, aber bei späterer Überlegung muss es wohl Richtung Abgrund gewesen sein.“


Die sechzehnjährige Jennifer Strange kümmert sich bei der Agentur Kazam um eine Menge ziemlich durchgeknallter Zauberer, von denen nur sechs die offizielle Genehmigung haben, Magie auszuüben. Zusammen mit dem jungen Zauberer Perkins und der verzogenen und verzauberten Prinzessin Shazine bricht sie zu einer gefährlichen Reise (Todesquote: 50 %) ins Cambrische Empire, einem benachbarten Königreich, auf. Sie muss ein legendäres Juwel, das Auge des Zoltars, finden – sonst wird der mächtige Shandar die beiden letzten noch lebenden Drachen töten.

 

Das dritte Abenteuer der gelungenen Reihe für junge Erwachsene ist gewohnt skurril und spannend, allerdings makaber und z. T. etwas brutal ...


„Das Auge des Zoltars“ von Jasper Fforde, one Verlag, 349 Seiten.

Teil 1:

 

"Die letzte Drachentöterin" von Jasper Fforde, one Verlag, 252 Seiten.

Teil 2:

 

„Das Lied der Quarktiers" von Jasper Fforde, one Verlag, 254 Seiten.

Paravel, Dominique: Die Schönheit des Kreisverkehrs

Liebesgeschichte

Von tg

 

"Sie lächelt, ohne ihn anzublicken. Die Zigarette ist bis zu den Fingern abgebrannt, sie wirft sie aus dem Fenster, schaltet hinunter, nimmt eine Kurve. Er sieht die Kilometer zusammenschmelzen. Bring mich weg. Bring mich woanders hin, ich bitte dich, bring mich weit weg."

 

Joaquin Reyes, Angestellter des im Umbruch befindlichen Unternehmens Savinco, soll für die kleine Gemeinde La Virote die Mitte eines Kreisverkehrs künstlerisch gestalten. Ein für seine Karriere wichtiges Projekt. Auf der – eigentlich kurzen – Geschäftsreise zu einer Sitzung des Gemeinderats wird Joaquin von der eigens dafür abgeordneten Marketingberaterin Vivienne Hennessy begleitet. Joaquin sitzt die Angst im Nacken, er wittert eine Falle. Vivienne, groß, spindeldürr, kühl und undurchschaubar, scheint alle Zeit der Welt zu haben, nimmt mit ihrem alten staubigen Mercedes anstelle der Autobahn die Nationalstraße, fährt in jedem Kreisel drei Runden, verlässt die vorgesehene Route aus unerfindlichen Gründen. Schnell wird klar, dass sie sich arg verspäten werden. Joaquin ist auf dem Beifahrersitz gefangen, schwankt zwischen Verzweiflung, Wut und Ohnmacht, driftet in Gedanken in die Vergangenheit ab und fürchtet sich vor dem "Treibsand der Hypoglykämie" – er ist Diabetiker und hält dies geheim, seine Tage sind festen, existenziellen Ritualen untergeordnet. Aber auch Vivienne, innerlich zerrissen und auf der Flucht, hat ein ängstlich gehütetes Geheimnis. Obwohl sie kaum unterschiedlicher sein könnten, kommen Joaquin und Vivienne sich Stück für Stück näher.

Eine kleine, dichte, großartig erzählte Geschichte, in der es für die Protagonisten um nicht mehr und nicht weniger als um Liebe und Freiheit, Leben und Tod geht. Ein Trip wie ein zunächst sprödes Roadmovie, erst langsam Fahrt aufnehmend, um dann in einem rasanten, dramatischen Finale zu enden.

"Die Schönheit des Kreisverkehrs" von Dominique Paravel, Nagel & Kimche Verlag, 173 Seiten.