Alpenglühen beim Sonnenuntergang

Fritz, Florian u. Höllhuber, Dietrich: Südtirol

Reiseführer

Von tg

 

Wer Südtirol hört – und selbst noch nicht da war –, denkt womöglich zuallererst an Berge, Knödel, Jodler, Ötzi und die Kastelruther Spatzen. Dass die autonome und östlichste Provinz Italiens mehr zu bieten hat, beweist der in diesem Jahr in der 7. Auflage im Michael Müller Verlag erschienene Reiseführer auf prall gefüllten 648 Seiten, die keine Frage offenlassen. Ein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf den Dolomiten. Inkl. Faltkarte und 30 Wanderungen und Touren.

Die Dolomiten – Südtirols UNESCO-Weltnaturerbe

Den letzen Tag dieses heißen, brennenden Sommers verbringe ich auf einem kleinen Bergbauernhof. Ich sitze unter einem riesigen Walnussbaum, die Sonne fällt sanft zwischen den Blättern auf mein Tagebuch. Ich will meine Gedanken und Gefühle darin ordnen. Gedanken und Gefühle zu meinem Urlaub in Südtirol.  Von anlö

Ich schaue auf eine Wiese am Hang, voller Gräser, Kräuter und Blumen, die Glöckchen der Ziegen bimmeln hell, der Brunnen plätschert, das Rauschen des Baches hält alles in seinem Ton. Der Blick wandert hinauf zum Schlern, einem gewaltigen Dolomit-Block, der da am Horizont thront, ruhig, breit, und dennoch in Bewegung durch das sich ständig ändernde Licht, das auf seine kahlen Flanken scheint.

Schon seit zehn Tagen bin ich hier in Südtirol, aber eigentlich erst jetzt so richtig angekommen. Ich habe kleine und größere Städte erkundet (Klausen, Brixen, Bruneck, Meran), Schüttelbrot, Kastanienhonig, Biowein und Speisen aus Birmehl (altbäuerliches Nahrungsmittel mit getrockneten gemahlenen Birnen) probiert, habe mir gewebte Stoffe, Schafwollprodukte und Schnitzereien angesehen und bin mit der Seilbahn hoch auf 2500 Meter gefahren. Vor allem hat es mich in die Natur gezogen.

Die Wanderung im Villnösser Tal durch den Zirbenwald unter den Geislerspitzen hat mich tief beeindruckt. Zuerst unerwarteter Lärm in dieser großartigen, einmaligen Berglandschaft – der hektische Autoverkehr bei der Anfahrt und Scharen von Menschen, die sich am frühen Morgen auf die Wanderwege verteilten. Was ich unterwegs beobachten konnte: Nur wenige hielten inne, den Flug der Steinadler am hohen Himmel zu betrachten, dem zärtlichen Sausen des Windes in den Zirben zu lauschen, ihren Duft zu riechen, die leise Vibration der Landschaft mit der eindrucksvollen Präsenz der mächtigen Gipfel wahrzunehmen. Aber dann gab es für mich plötzlich erscheinende Augenblicke der Stille, in denen ich die Kraft der Berge, der Erde, der Bäume und Pflanzen wahrnehmen durfte, diese tiefe Schwingung einer anderen Ebene. Es ging kein Wind und trotzdem hörte ich ein sanftes Rauschen, das so guttat. Das Echo einer ewig anmutenden Stille, majestätisch, nichts kann sie zerstören. Eine tiefe Sehnsucht wird in einem Augenblick wie diesem in mir genährt, in mir öffnet sich ein weiter Raum, in dem ich aufblühe und glücklich bin.

Ich denke auch zurück an meine Wanderung um den Pragser Wildsee, einem geschützten Naturdenkmal und Teil des Naturparks Fanes-Sennes-Prags, einem, mal dunkelblau, mal türkis, mal nahezu schwarz schimmernden Bergsee, an dem ich ebenfalls einen Moment großer innerer Berührung erfahren habe.

Es gibt nur einen schmalen Pfad um den See herum, und Hunderte von Menschen waren auch auf ihm unterwegs, mit Hunden, Handys, Picknickkörben, sich laut unterhaltend. Und doch geschah wieder ein bewegender Moment der Stille, einfach so an einem idyllischen Teil des Weges ... Ein Blick über die Schulter – und eine andere Welt tat sich auf! Unendliche Ruhe legte sich um mich wie ein schützender Mantel, ich blickte wie durch einen Tunnel in die Ferne über das Wasser hin und war mitten in einem Gefühl von „Ewigkeit“. Ja, ich nenne es „Ewigkeit“, vollkommen im Hier und Jetzt, ruhig atmend und erfüllt im Berührtsein von der Schönheit und Kraft der Schöpfung.

Es war so still um mich herum, als wäre nie ein Laut gefallen, alle Geräusche waren geschluckt, und ich erkannte, dass die Stille ewig ist und aller Lärm nur eine vorübergehende Erscheinung.

Mir wird bewusst: Dieses Geschenk nehme ich in meinem Herzen aus den Dolomiten mit nach Hause. Unter dem alten Walnussbaum schließe ich mein Tagebuch und schaue hinauf zum Schlern, der sich in der Abendsonne rötlich färbt.  


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nebelschwaden über dem Valle Cannobina

Fohrer, Eberhard u. Schmid, Marcus X.: Lago Maggiore

Reiseführer

Von tg

 

Die beiden Autoren haben viele Informationen zusammengetragen über Kunst, Kultur und Geschichte, Essen und Trinken, Freizeit, Land und Leute. Der umfangreiche Reiseführer teilt den Lago Maggiore in sechs Gebiete auf und beinhaltet viele Detailkarten und einen kleinen Wanderführer.

"Lago Maggiore" von Eberhard Fohrer und Marcus X. Schmid, Michael Müller Verlag, 336 Seiten. 

Valle Cannobina – das Cannobina-Tal

Wenn früh morgens Nebelschwaden im Valle Cannobia vom Cannobino aufsteigen und die Hänge der umliegenden Berge hinaufschweben, erwacht das Cannobina-Tal langsam aus dem Schlaf Von tg

Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch den Dunst und irgendwo läutet sanft eine Glocke und erinnert an den Lauf der Zeit.

 

Das lange Wildbachtal liegt in der norditalienischen Provinz Piemont, nah an der Grenze zur Schweiz. Am Taleingang fließt der Torrente Cannobino in den Lago Maggiore. Hier findet Cannobio, einer der schönsten Orte am See, reichlich Platz, um sich in der Ebene auszubreiten. Doch bereits nach Traffiume windet sich die Straße eng, steil und reich an Kurven bis auf über 1000 Meter Höhe, wo das Valle Cannobino endet und auf das Valle Vigezzo trifft.

 

Der Cannobino entspringt im Nationalpark Val Grande und nimmt bei Finero die Ausmaße eines Flusses an. Steile Felswände säumen die Ufer, hier und dort tun sich atemberaubende Blicke auf,  und einsame Badestellen laden zu einem Abstieg zum kristallklaren Wasser ein. Besonders beliebt und spektakulär ist, kurz hinter Traffiume, die Klamm Orrido di Sant´Anna, mit der gleichnamigen Kirche, die über der Schlucht thront, in der Taucher dem Cannobino auf den Grund gehen.

 

Die Berglandschaft ist wild und grün und in vielen Teilen unwegsam, kleine Dörfer kleben in Panoramalage am Hang, zwischen Edelkastanien, Buchen und Palmen. In einem Seitental liegt Falmenta. Durch den mittelalterlichen Ortskern führen mit Kieselsteinen gepflasterte, enge Gassen. Falmenta ist bei Urlaubern beliebt und hat sich trotzdem seinen Charme erhalten. Viele Häuser sind behutsam renoviert worden, die Steine kunstvoll aufeinandergeschichtet und die Dächer mit Schindeln aus Granit gedeckt. Der Blick geht hinunter ins Tal, hinauf zum "Hausberg" Monte Zeda (2156m) und hinüber nach Crealla, einem winzigen Örtchen, das noch urtümlicher erscheint.

 

Wer in einem der Bergdörfer seinen Urlaub verbringt, profitiert von der Stille und kann direkt vom Ferienhaus oder von der Ferienwohnung aus loswandern. Allerdings sind die Wege steinig und anstrengend, gute Karten ein Muss, und das Wetter sollte im Auge behalten werden – es kann sich schnell ändern. Ideale Reisezeit sind Frühling und Herbst, denn im Hochsommer ist es sehr heiß und die Region um Cannobio extrem überlaufen.

 

Wenn man ein Auto dabei und sich an die Serpentinen gewöhnt hat, sind Ausflüge in die abwechslungsreiche Umgebung zu empfehlen. Cannobio mit seiner breiten Uferpromenade lädt zum Flanieren ein, und in der Via A. Giovanola und der Via Umberto gibt es viele nette, kleine Läden, u.a. den Bioladen "Il Mio Amico". Wer Lust hat, macht eine Bootstour über den See, z. B. zu den berühmten Borromäischen Inseln. In Trarego-Cheglio-Veggiona öffnen auf dem "Sentiero d`ARTE" Häuser von Künstlern ihre Pforten. Bei Intra liegt ein idyllischer botanischer Garten mit Blick auf den Lago. Und im schweizerischen Tessin kommen Wanderer so richtig auf ihre Kosten.