Märchen
Wintermärchen
Von anlö
Im Schweizer Märchenverlag Mutabor ist ein zauberhaftes Buch neu aufgelegt worden, das Wintermärchen aus aller Welt vereinigt. Nicht nur im Winter lassen die Stimmungsbilder der Geschichten aus unterschiedlichen Kulturen so manchen Abend für Erwachsene wie auch Kinder zu einem besonderen Erlebnis werden.
Djamila Jaenike hat die Märchen in einer poetisch-ruhigen Weise neu erzählt und thematisch geordnet. Es sind insgesamt eher kurze Geschichten, die leicht zu lesen oder zu erzählen sind. Jedem
Kapitel wird ein Gedicht vorangestellt und stimmt die Leser ein auf „Schneekind und Eiszapfenfrau“, „Väterchen Frost“ oder „Frau Holles Wintersegen“. Dann folgen kurze Einführungen in die
Märchenmotive, die zu einem tieferen Verständnis beitragen. Liebevoll gestaltet mit in Pastell gehaltenen Illustrationen ist das Buch ein schönes Geschenk für das nächste Weihnachten. Denn das
kommt bestimmt!
„Wintermärchen aus aller Welt“ ausgewählt von Djamila Jaenike, Mutabor Verlag, 247 Seiten.
Märchen & Heilung
Von anlö
Märchen waren in ihrem Ursprung nie nur zur Unterhaltung von Kindern gedacht, sondern sie waren Weisheitsgeschichten, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen sollten.
Auch heute können Märchen heilende Geschichten werden: Wie kann die Überwindung von Krisen gelingen? Dazu geben Märchen vielfältige Inspirationen. Die ungarische Erzählerin Ildikó Boldizsár hat die „Story-Therapie-Methode Metamorphoses“ gegründet. Es handelt sich um eine Märchentherapie, bei der ganz individuell für einen Menschen und sein Problem ein Märchen gefunden wird. Dieses wird dann nicht nur intellektuell bearbeitet, sondern auch sehr kreativ umgesetzt, so dass Er-Lösungswege gefunden werden können. Von dieser Arbeit erzählt die Autorin in ihrem Buch. Gerade ihr erster Bericht ist sehr berührend. Hier geht es um Mütter, die kurz vor der Entlassung aus dem Gefängnis sind und ihre Kinder, und wie die Familien wieder zusammengeführt werden können.
Wie es der Autorin gelingt, mit Hilfe von Märchen Beklemmung und Angst zu lösen, dass Liebe und Vergebung geschehen können, ist wirklich ganz
großartig. Auch die anderen Beispiele aus ihrer Praxis zeigen die zeitlose Kraft der traditionellen Märchenmotive, die auf zauberhafte Weise die innere und die äußere Welt erklären und sowohl das
Problem als auch die Lösung zeigen.
„Die Königin, die uns dem Tisch saß und weinte – Die Urkraft heilender Geschichten“ von Ildikó Boldizsár, Arkana Verlag, 364 Seiten.
Märchen: Phantasie wider Realität? mehr
Waldmärchen
Von anlö
In Zeiten der starken Präsenz digitaler Welten wundert sich der Autor Valentin Kirschgruber nicht, dass „Waldbaden“ zu den neuesten Erholungs- und Entspannungstrends gehört.
Der Wald, der ja nun schon immer da war, tritt auf einmal wieder in das Bewusstsein der Menschen und stillt ihre Sehnsucht nach Ruhe, Frieden und Geborgenheit. Ja, und auch nach dem Geheimnisvollen! Denn hier schlummert die Erinnerung an die Tiefe des Menschseins, wo doch heute alles dokumentiert, gepostet, öffentlich gemacht wird und der gläserne Mensch in weiten Teilen Realität geworden ist.
Selbst im Wald groß geworden, liegt es Kirschgruber am Herzen, von seiner Liebe zu den Waldlandschaften zu erzählen und sie mit spirituellen Themen zu verbinden: Die Lichtung als Ort für Achtsamkeit und Meditation, die Quelle zur Reinigung der Seele oder im Moosbett Mitgefühl und Verbundenheit zu erleben.
Außerdem wird dem Leser umfassendes und praktisches Waldwissen vermittelt. Übungen und Ritualvorschläge helfen, Zugang zum Wesen des Waldes zu bekommen oder seine Kraft neu zu erfahren. Märchen und Gedichte sprechen die inneren Welten an, die die Magie des Waldes lebendig werden lassen. Das Buch ist sehr schön gestaltet, klein und handlich und lässt sich leicht im Rucksack verstauen.
„Die Magie des Waldes – Weisheitsmärchen – Rituale – Meditationen“ von Valentin Kirschgruber, Kailash Verlag, 240 Seiten.
Märchen-Podcast
Alter & Würde
Von anlö
Märchenbücher sind ja immer für die dunkle Jahreszeit eine feine Sache! Da bringt das neueste Buch der Mutabor Märchenstiftung eine ganz besondere Sammlung heraus: Märchen vom Älterwerden und Altsein, die in der Vielschichtigkeit der Themen tief berühren.
Es geht um Weisheit, um Würde, um Gemeinsamkeit und Einsamkeit, Ruhestand und das Weitergeben an die nächste Generation. Sterben und Tod werden nicht ausgeklammert und die Sehnsucht des Menschen, ewig zu leben oder wieder jung zu werden, findet in vielen Geschichten ihren Widerhall. Natürlich spiegeln die Märchen die Lebenssitution alter Menschen in früherer Zeit, wo Altsein mit Abhängigkeit, Krankheit und großem materiellen Mangel verbunden war. Das ist heute – Thema Altersarmut und überlastetes Gesundheissystem – oft leider gar nicht so viel anders. Doch greifen die Märchen tiefer und beschreiben in der Fantasie und Klarheit ihrer Bilder zeitloses menschliches Schicksal, das uns alle betrifft. Sie erzählen zudem, wie mit Lebenserfahrung, Weisheit, praktischem Wissen, aber auch Witz und Humor, das Alter als eine Lebensspanne erfahren werden kann, die erfüllend und versöhnlich ist.
Jedem Kapitel sind erklärende Texte vorangestellt. Dazwischen sorgen kleine Anekdoten von Mulla Nasrudin für ein Schmunzeln. Da die meisten Geschichten kurz und übersichtlich sind, können sie sehr gut zum Erzählen und Vorlesen für ältere Menschen genutzt werden. Doch „Märchen werden seit jeher im sozialen Miteinander erzählt. Wichtig ist das Zusammenkommen, die Würdigung der gemeinsam verbrachten Lebenszeit, in der auch Raum für Begegnung und Dialog bleibt.“
„Die Quelle der Weisheit – Märchen von der Würde des Älterwerdens“, ausgewählt und illustriert von Djamila Jaenike, Märchenbuch, Mutabor Verlag, 276 Seiten, € 32,-.
Abschied
Von anlö
„Märchen erzählen von leichter Hand vom Tod als Bestandteil des Lebens. Sie tun es ganz nebenbei. Während sie noch unterhalten oder sogar amüsieren, berühren sie uns im Innersten, trösten, ermutigen und regen zum Nachdenken über die Grundlagen unserer Existenz an.“
Drei erfahrene Erzählerinnen, Angelika B. Hirsch, Jana Raile und Conchi Vega, geben uns Einblicke in die fantastische Welt der Märchen und wie diese uns in Trauer- und Abschiedsprozessen, in der
Sterbebegleitung und für das Sterben selbst unterstützen können. Vom kleinen Tod berichten fast alle Märchen, denn hier geht es um Krisen-Geschichten und um deren Bewältigung. „Dennoch sind Märchen erfüllt von dem Vertrauen, dass die Welt grundsätzlich gut ist. Der Tod ist im Märchen immer Durchgang zu
neuem Leben.“
Die Märchen vom großen, dem endgültigen Tod kommen erstaunlicherweise oft heiter und leichtfüßig daher und dennoch – oder gerade deswegen – enthalten manche auch „eine wahrhaft mythische
Dimension“, die eine tiefe Weisheit vermittelt.
Der erste Teil des Buches beinhaltet ausführliche, theoretische Grundlagen des Genres Märchen, sowie Vorschläge zur Aneignung von passenden Texten und deren Weitergabe in Form von Vorlesen oder
Erzählen.
Was passt für Erwachsene, für Kinder, für demenziell Erkrankte? Was „darf“ Kranken, Sterbenden und Trauernden erzählt werden? Auch das schwierige Thema Suizid findet einen Platz. Dann folgt eine
Fülle von bekannten und unbekannteren Märchen, die alle durch die Autorinnen unter „Nach-Gedacht“ Inspiration zum Verständnis bieten. Es ist ihnen aber wichtig, dass Menschen mit Märchen ihre
ganz eigenen Erfahrungen machen und ermutigen, den eigenen Gedanken und Assoziationen zu folgen.
Ein wunderbares Buch, um sich mit Sterben und Tod zu beschäftigen und der eigenen Endlichkeit Leichtigkeit und Vertrauen entgegenzubringen.
„Märchen vom kleinen und großen Tod – für Menschen, die Sterbende begleiten, trauern oder über die eigene Endlichkeit nachdenken“ von Angelika B. Hirsch (Hrsg.), Jana Raile und Conchi Vega, Sach-
und Märchenbuch, der hospiz verlag, 297 Seiten, € 32,99.
Kindermärchen
Von anlö
Es ist noch immer nicht so bekannt, dass Märchen (auch die meisten der Brüder Grimm) keine „Kindergeschichten“ waren, sondern ursprünglich Erwachsenen zur Lebensbewältigung und Lösung von Problemen erzählt wurden.
Umso wertvoller ist nun dieses Märchenbuch, in dem Djamila Jaenicke von der Mutabor Märchenstiftung Geschichten zusammengetragen hat, die sich mit der Erlebniswelt
von Kindern beschäftigen, aber auch Inspiration für Erwachsene sein können.
In sieben Kapiteln wird eine Fülle von Märchen und Motiven vorgestellt, die Kindern nicht nur andere Kulturen nahebringen. Es wird auch immer wieder gezeigt, wie Krisen bewältigt werden können,
welche Möglichkeiten und Ressourcen auch die „Kleinen“ haben, um Unsicherheit oder Angst in Vertrauen, mutiges Voranschreiten oder pfiffige Ideen zu verwandeln.
Die Märchen sind mit Altersempfehlungen versehen. Auch gibt es wertvolle Hinweise, wie eine gute Vorbereitung auf das Erzählen oder Vorlesen geschehen kann, wie Kind und Erwachsener sich auf das gemeinsame Märchenerleben einstimmen können. Ganz zauberhaft sind die Geschichten am Ende jedes Kapitels, die sich mit dem Märchenerzählen selbst beschäftigen. Kindgerechte Illustrationen aus der feinen Feder von Cristina Roters runden das Werk ab.
Absolute Weihnachtsempfehlung für Kinder!
„Kindermärchen für Groß und Klein“ ausgewählt von Djamila Jaenike, mit Illustrationen von Cristina Roters, Mutabor Verlag, 280 Seiten.