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Gelebte Spiritualität – meine Lebensphilosophie

Auch ich bin mit der Vorstellung groß geworden, dass Gott außerhalb von uns ist. Eine richtende Person über Gut und Böse oder ein alter Mann mit grauem Bart, der uns unsere Schulden vergibt ...

Je älter ich wurde, desto mehr wurde mir das Schuldthema zuwider und ich beschäftigte mich mit dem Buddhismus. Vor allem die positive Sichtweise, dass jeder Mensch einen innewohnenden göttlichen Kern hat und von Grund auf gut ist, hat mich angezogen. Mittlerweile bin ich wieder zu meinen christlichen Wurzeln zurückgekehrt. Jedoch glaube ich, dass die Botschaft von Jesu eine andere war, als die, die in den Kirchen vermittelt wird. Ich glaube an einen Gott oder Jesu voller Liebe, der uns annimmt, egal wie wir sind. Er ist für mich ein Symbol für den göttlichen Kern in uns, der voller Liebe ist und verbunden mit dem All-Einen.

Um in diesen Raum der Liebe vorzudringen, gilt es, das Leben so anzunehmen, wie es ist, urteilsfrei den Dingen zu begegnen und in jeder Situation den dahinterliegenden Nutzen zu erkennen. Wenn ich auf mein bisheriges Leben zurückschaue, haben mich gerade die schweren Zeiten, Zeiten des Verlustes durch Tod oder Trennung, geprägt und gestärkt. Diese Zeiten waren voller Trauer, Tränen und psychischer Schmerzen – ein dunkler Tunnel, der nie aufzuhören schien. Die Fragen: "Warum?" und "Wieso ich?" waren immer da. Genau diese Zeiten haben mich so sensibel und empfindsam gemacht, dass ich die Liebe in mir und um mich herum wahrnehmen kann. Die Trauer und die Tränen haben mich verändert. Es war bzw. ist wie eine Art Geburtsvorgang, der mich auf die Erde bringt und der mich mehr zu der macht, die ich in der Tiefe wirklich bin.

Mein Vertrauen wird immer größer, dass letztendlich Alles zu unserem Nutzen geschieht, dass es kein Gut und Böse gibt. Dieser Glaube ist für mich, durch meine eigene Erfahrung, zu einer Grundhaltung geworden, mit der ich durchs Leben gehe, aber auch mit der ich die Menschen begleite, die zu mir kommen. Therapie oder Heilung bedeuten für mich, die Menschen darin zu unterstützen, sich selber lieben zu lernen und dem Leben zu vertrauen. Es gilt, alles anzunehmen und zu fühlen, um Zugang zu unserem göttlichen Kern zu bekommen. Die Liebe ist immer da. Sie bleibt, egal was passiert und wer sich von uns verabschiedet. Wir brauchen nicht die Liebe im Außen, sondern die Selbstannahme und den Zugang zum Raum der Liebe in uns selbst.

Heike Wilken, Dipl. Psychologin, HP (Psych.), Physiotherapeutin, Bielefeld