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Warum sind wir hier?

Es ist doch eigenartig, dass diese Frage nach dem Sinn des Lebens immer nur dann auftaucht, wenn wir uns bedrückt und unzufrieden fühlen ...

In Zeiten großer Lebendigkeit und Lebensfreude
habe ich mich noch nie mit diesen Sinnfragen beschäftigt.
Wenn wir uns lebendig fühlen, wenn das Leben
in uns und durch uns hindurch pulsiert,
dann fühlen wir mit all unseren Sinnen den Sinn unseres Lebens.

Aber warum sind wir dann nicht einfach immer völlig lebendig?

Vollkommene, rückhaltlose Lebendigkeit scheint gefährlich zu sein.
Sie ist eine Bedrohung gesellschaftlicher Werte
für Sitte, Anstand und Moral,
und sie ist innerpsychisch gefährlich,
weil sie unsere alten Wunden öffnet
und uns in Kontakt bringt mit unserer Sterblichkeit.

Vollkommene, rückhaltlose Lebendigkeit ist exstatisch!

... ich gebe mich hin ... lasse vollkommen los ...
... lasse einfach geschehen was geschieht ...
... im Inneren wie im Äußeren ...
... alles hat Platz ... alles darf sein ...
... ich tue nichts und erlaube alles ...

Das bringt mich unweigerlich mit dem Tod in Kontakt.
Und hier beginnt das Wehren.

Unser Ego, unser innerer "Retter & Beschützer",
dessen Auftrag es ist, die Verbindung
zwischen Körper und Seele zu sichern,
also aus irdischer Sicht, "unser Leben zu retten",
sorgt nun dafür, dass dieses Fühlen der Todesnähe
wieder abgeschnitten wird.

Er beginnt zu zweifeln, macht sich Sorgen, atmet flach,
spannt die Muskeln an
und nutzt alle Möglichkeiten der Ablenkung und Unterdrückung.
Aus seiner Sicht muss unbändige Lebendigkeit sofort wieder
gebändigt und reduziert werden,
ansonsten würde alles unkontrollierbar und damit gefährlich.

Er unterdrückt um zu sichern und zu retten, sorgt so für Depression,
und wir verlieren hier den Sinn für den Sinn unseres Lebens.

Es braucht schon Mut, und es ist gewiss nicht jedes Menschen Sache,
sich diesen Todesängsten auszusetzen.

Aber wer dieses tiefe Verlangen
nach Wahrheit, Freiheit und Lebendigkeit in sich spürt,
kann die Bereitschaft und die Fähigkeit entwickeln,
sich dem Leben und dem Sterben
mit offenen Armen entgegenzuwerfen.

Vandan Ulf Münkemüller, HP (Psych.), Bielefeld


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