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Raum zum Lieben

Frauen und Männer haben es nicht immer leicht miteinander. Man spricht sogar schon davon, dass sie von verschiedenen Planeten kommen und sich hier kaum verständigen können. Es gibt sicherlich geschlechtsspezifische und auch persönliche Eigenarten, die einem gelungenen Miteinander im Wege stehen ...

Richten wir aber den Blick darauf, was sich beide wünschen, dann hört sich das gar nicht so verschieden an: Verbundenheit, Lebensfreude, Sexualität und Liebe, auch gemeinsame Entspannung und Humor. Fragt sich nur noch, wie man am besten dahin kommt.

Als Paare verdienen und brauchen wir Unterstützung. Unser schneller und komplexer Lebensalltag erfordert heute von Paaren enormen Einsatz und viel Kraft. Wir sehen uns gegenseitig mit höheren Erwartungen an, als die Generationen vor uns.

Wir l(i)eben mit erweitertem Risiko – aber auch einem großen inneren und äußeren Potential.

Als Paar sind wir immer mal wieder festgefahren, verstehen uns und den anderen nicht, sind enttäuscht oder ratlos. Glücklicherweise gibt es ganz normales irdisches Handwerkszeug, das den Kommunikationsfluss herstellen kann und ein liebevolles Miteinander im Alltag unterstützt. Ein grundlegendes tool nennt man in der Psychotherapie "Introspektionsfähigkeit", in der Praxis heißt das: Ich schaue immer mal wieder mit größtmöglicher Freundlichkeit in mich selbst hinein. Entdecke meine Bedürfnisse, verstehe, wie ich reagiere und welche alten Beziehungsmuster, die ich von Mutter und Vater gelernt habe, gerade wirken.

Das nächste Werkzeug heißt Kreativität. Anstatt automatisch zu reagieren, wenn der Partner mir gerade wieder bestimmte Knöpfe drückt, wende ich meine wunderbaren kreativen Gaben an und sage etwas Neues – überraschend und in Verbindung mit dem, was ich wirklich möchte. Um kreativ zu sein, brauchen wir Menschen meistens eine große Portion Entspannung. Und so geht es in der Paartherapie und Sexualitätssprechstunde immer wieder um diese Frage: Wie können wir uns entspannen? Liebe und Intimität sind die Bereiche im Leben, wo wir am verletzlichsten sind. Wenn wir unser Herz und unseren Körper öffnen, fühlt es sich deshalb oft gefährlich an. Dann schützen wir uns. Das ist sehr anstrengend. Einen sicheren und weiten Raum zum Lieben zu erschaffen, ist deshalb für jedes Paar eine Herausforderung, die sich lohnt.

Mit Achtsamkeit den eigenen Paar-Verwicklungen auf die Schliche zu kommen setzt voraus, dass wir den inneren Kritiker nicht in der Beziehung mitmischen lassen, sondern immer wieder üben, ohne Urteil und Bewertung alles anzuschauen. Mich selbst, meinen Körper. Den Anderen. Das lernen wir nicht in der Schule. Aber im Leben gibt es immer wieder Gelegenheit dazu: Auch jetzt – in diesem Moment. Atmen Sie einmal tief durch. Entspannen Sie sich beim Ausatmen. Schauen Sie mit einem wohlwollenden Blick auf sich und das, was Sie gerade tun. Wir Menschen lernen am besten in freundlicher Umgebung. Das gilt vor allem für das Lieben.

Antje Uffmann, HP (Psych.), Bielefeld


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