Let´s talk about sex!
Neulich saß ich als Ältere in einem Kreis junger Frauen – unser Thema war Sexualität. Zuerst war da Beklommenheit: einerseits verkünden die Medien das pure Sexvergnügen – immer und überall; andererseits sind wir gerade dort sehr verletzlich, unsicher und auch irgendwie zart ...
Tragisch: wenn durch die Medien dieser Druck entsteht, "gut" zu sein im Bett. Oder einen perfekten Körper zu haben.
Erstaunt stellten wir fest, wie irritierbar wir in diesem Lebensbereich sind! Wie viel Scheu und Scham wir doch empfinden – obwohl die laute Welt da draußen alles als „locker“ deklariert. Nachdem das erstmal ausgesprochen war, wurden wir mutiger und sprachen auch über das Peinliche, was wir eigentlich nicht mal der besten Freundin erzählt hatten. Und dann kam große Erleichterung – anderen geht es genauso! Wir stellten fest: immer noch versuchen Frauen, sich sexuell schneller zu machen, sich zum Höhepunkt zu pushen, vergleichen sich mit den Männern. Immer noch sind wir nicht sicher, ob wir "da unten" richtig funktionieren. Es ist schwierig, genau auszusprechen, was wir uns wünschen. Niemand hat uns das beigebracht.
Über so viele Jahre war die weibliche Sexualität unterdrückt, wurde abgewertet, durfte nur ohne Lust stattfinden. Frauen, die Lust empfanden, wurden als Huren bezeichnet. Dann kam die sexuelle Revolution – und das Pendel schlug zur anderen Seite aus. Lust wurde Pflicht. Heute sind gerade junge Frauen sehr von ihrem Körper entfremdet und haben zugleich den inneren Stress, besonders "sexy" sein zu müssen. Im Internet gibt es die Vorgaben, wie Sex zu sein hat: harte Szenarien, die beiden Geschlechtern Stress machen und den Weg zu offenem und liebevollem Miteinander verstellen.
Wie eine befreite und zugleich verbundene Sexualität sein kann, das wird in unserer Kultur gerade erst erforscht. Im Tantrismus sind Frauen schon seit vielen tausend Jahren Lehrerinnen, die auch ihr Wissen um Sexualität weitergeben. Das wichtigste, was ich aus dieser alten Kultur bisher gelernt habe ist: es geht um Entspannung. Um Neugier. Und darum, wirklich im Körper zu sein. Was für eine wunderbare Herausforderung!




